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Donnerstag, 12 Januar 2023 10:08

Sven Kaminski: „Der Bedarf an Bewegung ist da!“

Sven Kaminski: „Wissens- und Informationstransfer für Vereine.“ Foto: Thomas Manthey Sven Kaminski: „Wissens- und Informationstransfer für Vereine.“ Foto: Thomas Manthey

Torgau, 12. 1. 2023. Sven Kaminski ist Geschäftsführer des Kreissportbundes Nordsachsen. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt er, warum die Vereine nach Corona eine neue Krise bewältigen müssen.

SWB: Haben Sie persönlich gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst?

Sven Kaminski: Natürlich. Ich möchte den eigenen Fitnesszustand mit etwas mehr Sport und Bewegung verbessern.
Lassen Sie uns in Sachen Kreissportbund Nordsachsen auf das vergangene Jahr blicken.
Hinter uns liegen zwei schwere Jahre durch Corona. Ich denke, dass die Zeit nicht nur für unsere Mitgliedsvereine durch die Turnhallenschließungen und das Verbot von Sportangeboten nicht leicht war. Ab April 2022, als die Sanktionen wegfielen, war eine leichte Erholung zu spüren. Alle Seiten konnten etwas Aufatmen.

Welche Auswirkungen hatte Corona auf Vereinstätigkeit und Mitgliedszahlen?

Durch die Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens, einhergehend mit dem Verbot, Sport wettkampfmäßig im Spielbetrieb zu betreiben, litt natürlich die Vereinsarbeit. Dabei ist Sport sehr wichtig für das soziale Gefüge. Allerdings gibt es im Kindersportbereich (bis sechs Jahre) den positiven Trend, dass die Mitgliedszahlen schon fast wieder auf Vorcorona-Niveau waren . Anders sieht es bei den Vereinsmitgliedern ab 50 Jahre aus, wo etliche Mitglieder aus den unterschiedlichsten Gründen auf der Strecke blieben. Sicherlich haben die Risikogruppen besondere Vorsicht walten lassen, was sich auch die sportliche Betätigung auswirkte.

Was sind die mitgliedsstärksten Vereine im Landkreis?

Das VitaMed-Zentrum für Gesundheitssport e.V., der SSV 1952 Torgau ist Zweiter und der TSV 1862 Schildau immerhin Fünfter. Das ist beachtlich und erfreulich.

Auf welche Höhepunkte 2022 kann der Kreissportbund Nordsachsen blicken?

Da wir erst ab April 2022 wieder starten durften – die Ausschreibung und Organisation von Veranstaltungen entsprechend Zeit benötigte, litten einige Veranstaltungen natürlich unter weniger Teilnehmern als sonst. Aber immerhin fanden die Nordsächsischen Seniorenspiele in Eilenburg, der City-Nachtlauf mit Joe-Polowsky-Gedächtnislauf in Torgau, die Kindergarten-Olympiade oder die Kreis-Kinder- und Jugendspiele statt. Leider war die Beteiligung überschaubar, aber nach Jahren der Durststrecke immerhin ein Anfang.

Standen Sie mit den Vereinen im ständigen Austausch?

Die Coronazeit war geprägt vom sportlichen Stillstand und Allgemeinverfügungen. Dennoch hielten wir zu unseren Mitgliedsvereinen Kontakt, informierten, berieten, wo wir konnten. Nach Corona schloss sich mit dem Krieg in der Ukraine fast schon die nächste Krise an. Besonders die Schließung von Turnhallen war bitter. Einige Sportarten sind auf Trainings- und Wettkampfbetrieb in Hallen angewiesen. Es entstanden schwierige Situationen. Dadurch ist es schwer, neue Sportgruppen im Kinder- und Seniorenbereich aufzubauen. Dabei sind soziale Kontakte für alle Altersklassen sehr wichtig.

Welche Rolle spielen die steigenden Kosten in den Vereinen?

Natürlich sind sie ein Faktor: Die Vereine sind zum Sparen gezwungen. Die Auswirkungen lassen sich jetzt noch nicht messen.

Wie können Sie den Vereinen als Kreissportbund unter die Arme greifen?

Mit einem Wissens- und Informationstransfer: Als Ansprechpartner stehen wir immer zur Verfügung. Natürlich sind mir im regen Austausch mit dem Landessportbund, der Gespräche mit dem Land Sachsen führt. Als KSB pflegen wir eine gute Zusammenarbeit mit Landrat Kai Emanuel, auch zu den Bürgermeistern der Region haben wir einen guten Draht. Bei der Sportförderung greifen wir den Vereinen bei der Antragsstellung unter die Arme.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt?

Eine große. Es ist nach wie vor sehr wichtig, sich ehrenamtlich – beispielsweise als Vorstandsmitglieder oder Übungsleiter – zu engagieren. Vereinsarbeit läuft zu 98 Prozent über das Ehrenamt.

Was steht im laufenden Jahr auf der Agenda des Kreissportbundes (KSB)?

Unsere jährlichen Veranstaltungen wollen wir wieder anschieben und ausrichten, auch wenn aus verschiedenen Gründen die Laufveranstaltungen aktuell noch in der Schwebe sind. Unser Spektrum soll wieder so breit wie vor Corona aufgestellt sein. Der Bedarf an Bewegung ist bei allen Altersklassen vorhanden. Dazu legen wir den Schwerpunkt auf die Integrationsarbeit mit den Stützpunkten im Landkreis.

Welche Erwartungen an die Sport-Entwicklung in Torgau haben Sie an das neue Stadt-Oberhaupt Henrik Simon?

Ich weiß, dass er sportlich interessiert und sportlich unterwegs ist. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass zeitnah eine neue Turnhalle gebaut wird und ein Kunstrasenplatz entsteht. Das sind zwei sehr wichtige, zukunftsweisende Projekte für Torgau.

Gespräch: H. Landschreiber

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