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Frisches vom Rind auf Knopfdruck

Martin Wenzel und seine Tochter Antonia am nagelneuen Fleischautomaten unterhalb des Rinderhofes in Göttwitz. Martin Wenzel und seine Tochter Antonia am nagelneuen Fleischautomaten unterhalb des Rinderhofes in Göttwitz. Foto: SWB/JS

Göttwitz. Die Region um Wermsdorf ist vor allem für ihren Fisch und die Gänsezucht bekannt. Doch seit Kurzem findet man in Göttwitz auch einen von zwei sogenannten „Fleischautomaten“ der Metzgerei Wenzel. Das Familienunternehmen, das sich 2015 auf die Produktion und Verarbeitung von Rindfleisch spezialisiert hat, trifft mit diesem zweiten Standbein des Direktvertriebs auch gleich zwei Nerven: Seit letztem Jahr steigt die Zahl derer, die ihr Fleisch direkt beim Erzeuger kaufen möchten. Weil aber nicht jeder innerhalb der normalen Öffnungszeiten einer Fleischereifiliale die Zeit zum Einkaufen findet, gehen dem regionalen Handel die späten Kunden normalerweise verloren. 
Martin Wenzel ist seit seiner Lehrzeit in der Branche tätig, seines Zeichens Metzgermeister und hat das Geschäft der Familie 2019 hauptberuflich übernommen. Er sagt: „Mit dem Gedanken, einen Rund-um-die-Uhr-Service in dieser Form anzubieten, haben wir schon längere Zeit gespielt, aber erst kurz vor Beginn der Pandemie entschieden, Nägel mit Köpfen zu machen und in zwei Automaten zu investieren. Der zweite steht in Grechwitz bei Grimma.“
Das Vorhaben hatte sich bereits vorab zu gut herumgesprochen, dass am Aufbautag schon die ersten Kunden Schlange standen. „Damit hatten wir nicht gerechnet! Aber sie ließen sich überreden, die Monteure erst mal in Ruhe alles anschließen zu lassen“, ergänzt  Martin Wenzel schmunzelnd.
Die Schlachtungen im Betrieb sind hohen Standards der Qualitätssicherung unterworfen und werden regelmäßig streng von den Gesundheitsbehörden kontrolliert.Trotzdem essen die Menschen inzwischen weniger Fleisch – auch hier in der Umgebung. Wenzel hofft, diejenigen unter ihnen, die vor allem mit Blick auf die CO2-Bilanz ihren Fleisch- und Wurstkonsum reduziert haben, mit den Automaten ansprechen zu können. Schließlich könne der Transport der Produkte kaum kürzer sein: Das Rind kommt von den Weiden der Familie und wird in einer der beiden Schlachthallen verarbeitet. Auch die Verpackung findet in Göttwitz statt – vom Hof bis zum Automaten sind es kaum 100 Meter, vom Schlachthaus in Grechwitz bis zum dortigen Automaten gar nur etwas über sieben. „Ich verstehe die Leute und möchte ihnen mit diesem Angebot eine Alternative zum weiter gereisten Fleisch aus der Frischetheke machen.“
Das funktioniert wie bei einem Getränke-Automaten: Man gibt die Nummer des Produktträgers ein, nachdem man das Geld eingeworfen hat, und schon wird die Leberwurst oder der Rindergulasch herausgegeben.
Stellt sich noch die Frage nach der Frische, auf die der Göttwitzer lächelnd antworten kann: „Wir tauschen regelmäßig und am Mindesthaltbarkeitsdatum orientiert die Produkte aus. Das ist ganz klar geregelt.“ Die Auflagen für den Verkauf sind strikt, da macht die innovative Lösung der „kleinsten Filialen der Region“ keine Ausnahme. PR/JS