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Das Trinkstübchen im Schloss zu Strehla (1)

„... steingewordenen Akkorde einer aufs höchste gesteigerten Handwerkskunst“,  schwärmte 1930  Prof. fritz Rauda  über das sogenannte Trinkstübchen  im Schloss zu Strehla. „... steingewordenen Akkorde einer aufs höchste gesteigerten Handwerkskunst“, schwärmte 1930 Prof. fritz Rauda über das sogenannte Trinkstübchen im Schloss zu Strehla. SWB/ros

STREHLA  „Das im ersten Obergeschoss des Südwestturmes liegende Erkerzimmer, die ehemalige Trinkstube, ... ist ein zwar kleiner ... Raum, erscheint aber durch die Wölbkunst des spätestgotischen Maurers, der hier ein reiches Zellengewölbe nach dem Vorbild der Albrechtsburg einspannte, breiter. Dieser feine, mit großer Liebe in Ziegel ausgeführte Raumabschluss zieht sich über den ganzen Raum bis in den als Raumerweiterung angefügten Erker hinein, dessen 4 Fenster der Trinkstube Licht spenden. Schon dieser trauliche Sitzplatz und die phantastische Deckenwirkung macht den Raum anheimelnd, zu einem Ort so recht zum Trinken und zum Singen. Freilich ist längst der Sang verschollen, der Wein verraucht, aber dem, der diesen jetzt schwer zugänglichen Raum betritt, tönen heimlich Klänge aus phantastischen Gewölbezellen, die sich wie ein Kanon verästeln, überschneiden und wiederholen. Und diese Musik, diese steingewordenen Akkorde einer aufs höchste gesteigerten Handwerkskunst, finden ihr langnachhallendes Echo in der Malerei, die ein ortsansässiger oder fahrender Meister über die Schildbögen und Gewölbfalten hinzauberte.“
Der Mann, der diese Liebeserklärung an das Trinkstübchen des Strehlaer Schlosses formulierte, war von Beruf kein Schriftsteller, und wer seine zahlreichen Beiträge beispielsweise zur Architektur der Meißner Albrechtsburg kennt, wird dort derartige Passagen vergeblich suchen. Um so schwerer wiegt das 1930 erschienene Urteil von Professor Fritz Rauda hier an diesem Ort, und manch ein Leser wird schon am Bild erkannt haben, wo wir denn heute durchs Schlüsselloch in Luthers Zeiten schauen.
Bevor wir uns dem Raum selbst zuwenden – das soll in einem Folgebeitrag passieren – wollen wir uns kurz dem Jahr seiner Entstehung widmen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bau- und Kunstwerken dieser Zeit haben wir hier durch die Datierung an einer Wand eine konkrete Jahreszahl: 1532. Im gleichen Jahr starb Kurfürst Johann der Beständige, und sein in Torgau geborener Sohn Johann Friedrich wurde neuer Kurfürst. Wohl ebenfalls 1532 begannen auf Schloss Hartenfels Torgau die Arbeiten am sogenannten „Fürstenflügel“ des Residenzschlosses, der heute mit seinem herrlichen Wendelstein das Glanzstück von Schloss Hartenfels darstellt.
Während jedoch 1532 in Torgau schon seit zehn Jahren „martinisch“ oder „lutherisch“ gepredigt und getauft wurde, sah das im nur 30 Kilometer südlich gelegenen Strehla ganz anders aus. Strehla befand sich im Herrschaftsgebiet des Dresdner Herzogs Georg, und der hielt auch 1532 noch am katholischen Glauben fest. Das Strehlaer Trinkstübchen ist dennoch kein Werk des „finsteren Mittelalters“, sondern steht stellvertretend für ein ganzes Zeitalter, in dem sich gerade in unserer Region Mittelalter und Neuzeit lächelnd die Hand reichen ... SWB/ros