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Das Trinkstübchen im Schloss zu Strehla (2)

Das legendäre Grabmal des „Schönen Wolfgang von Schleinitz“ – ein von Schlangen und Würmern durchzogenes Totengerippe – in der Kirche zu St. Afra in Meißen von Hans Witten. Das legendäre Grabmal des „Schönen Wolfgang von Schleinitz“ – ein von Schlangen und Würmern durchzogenes Totengerippe – in der Kirche zu St. Afra in Meißen von Hans Witten. Foto: SWB/ros

STREHLA, 12.02.2016  „Frisch dran unverzagt Hans von Schleinitz zu Ragewitz“. Mit diesem Schriftzug gibt sich im Trinkstübchen des Strehlaer Schlosses der Bräutigam und mutmaßliche Auftraggeber der Ausmalung des Raumes zu erkennen. Die Familie des Bräutigams zählte im Reformationszeitalter zu den einflussreichsten Familien im Herzogtum Sachsen. Seinem Vater Wolfgang gehörte in Meißen das Burglehen und in Oschatz das Vogtshaus. In Letzterem fühlte sich auch schon dessen Vater, der Ritter Georg von Schleinitz zu Hause, an den im Jahnatal in Ragewitz bei Riesa die sogenannte „Mönchssäule“ erinnert. Auftraggeber der Mönchssäule wiederum war der Onkel des Bräutigams, Bischof Johann von Schleinitz. Dieser ließ Künstler wie Hans Witten für sich arbeiten und gab auch das legendäre Grabmal des „Schönen Wolfgang von Schleinitz“ – ein von Schlangen und Würmern durchzogenes Totengerippe – in der Kirche zu St. Afra in Meißen in Auftrag.

In die lange Reihe von Kunstwerken, die auf diese Familie zurückgehen, reiht sich das Trinkstübchen würdig ein, und bereits von außen erkennt der im Schlosshof stehende Besucher an einem reich verzierten Erker den besonderen Raum. Wer ein Fernglas mitbringt, um sich die Details näher anzuschauen, wird zunächst bei unserem Bildmotiv am rechten Brüstungsfeld verweilen, und wir sind bei einem Lieblingsthema der Künstler dieser Zeit: der Jagd. Dem gleichen Humor, den wir schon im Sommer 2015 beim großen Cranach-Jagdbild in Torgau bestaunen konnten, als ein Bär mit einem Hund unter dem Arm das Weite suchen wollte, begegnen wir auch in Strehla. In unserem Fall betrifft es den Jagdhund gleich rechts hinter dem Hirschgeweih. Eigentlich soll auch er den Hirsch jagen, aber stattdessen widmet er sich seiner Pfotenpflege. 

Die Schauseite des Erkers zeigt die beiden Wappen des Brautpaares, also die Wappen der Familien Pflug und Schleinitz. Auch rechts vom Schleinitzwappen lohnt ein Blick mit dem Fernglas. Da schaut ein kindlicher Engel in das Gesicht eines steinernen Mondes, der auch im Rücken einen stillen Beobachter hat: einen auf der Helmdecke sitzenden Vogel. Hat der Künstler hier vielleicht eine verliebte Nachtigall untergebracht, die dem Mond ihr Lied singt?
Das wiederum würde zur Malerei im Raum passen. Hier lässt der Maler an der Giebelseite wohl unseren Hans von Schleinitz mit einem Schriftzug sagen: „Ei ich armer Teufel, warum haben mich die Jungfrauen so lieb“. Die mutmaßliche Braut zeigt mit der linken Hand auf einen brennenden Distelstrauch. Dieser versteht sich wohl als Anspielung auf ihre brennende Liebe, und so gehen von ihr die Worte aus: „Ei, ei, ei, wie brennt es“. Ob sie beide ihr Glück fanden? Das bleibt dem Blick durchs uralte Schlüsselloch verborgen ... SWB/ros