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Eine Wallfahrt ins Heilige Land (1)

Rom –  das erste Ziel der Wallfahrt im 16. Jahrhundert. Rom – das erste Ziel der Wallfahrt im 16. Jahrhundert. SWB/ros

„Nachdem ich, Bernhard von Hirschfeld, mir vorgenommen habe, über Meere zu ziehen, das Grab unseres Erlösers Jesus Christus und andere heilige Stätten in Jerusalem zu besuchen, bin ich zu solcher Wallfahrt mit gnädiger Erlaubnis meines gnädigsten Herren Herzog Friedrichs zu Sachsen, Kurfürst, am 17. März des Jahres 1517 aus meines herzlieben Vaters Hause zu Otterwisch ausgeritten ...“
Auch die Wallfahrten ins Heilige Land sollen durch das Schlüsselloch einige Geheimnisse preisgeben, zumal ohne jede Übertreibung gesagt werden kann, dass zwischen etwa 1460 und 1520 aus fast jeder Adelsfamilie der Region um Torgau, Herzberg, Liebenwerda, Riesa, Strehla, Oschatz und Dahlen meist gleich mehrere Vertreter ins Heilige Land pilgerten, um als „Ritter des Herrengrabes“ wieder gesund heimzukehren.
Bernhard von Hirschfeld erwähnt in seinem Tagebuch die Namen aller Teilnehmer, und da sich an den einzelnen Stationen in Deutschland und Österreich gelegentlich noch Wallfahrer anschlossen, umfasste die Mitte April in Venedig eintreffende Gesellschaft mehr als 60 Personen. In Venedig gab es bis Mitte Juni längeren Aufenthalt, und Bernhard von Hirschfeld nutzte gemeinsam mit seinen Reisebegleitern die Zeit, um nach Rom zu reisen, der „päpstlichen Heiligkeit“ Leo X. die Füße zu küssen und die Erlaubnis zur Jerusalem-Wallfahrt zu erhalten. Wieder zurück in Venedig, hat am 19. Juni 1517 „der Patron (Kapitän) im Namen Gottes angefangen zu fahren“. Über Istrien und Dalmatien segelte das Schiff von der Adria ins Mittelmeer, und am 11. Juli war Zypern erreicht.
Unterwegs auf dem Meer, sicher auch aufgrund der ungewohnten Nahrung, ging es wohl nicht jedem Wallfahrer gut, und Bernhard von Hirschfeld hielt es für sinnvoll, am Ende seines Reiseberichtes eine doch längere Unterweisung anzufügen, was der Wallfahrer alles „... lassen oder tun soll, damit er bei Gesundheit bleibe“. Viele Hinweise galten dem Verhalten auf dem Meer: „Ein Jeder habe Achtung auf sich, damit er offen bleibe und nicht verstopft werde im Leib, und zumindest jeden Tag einmal oder zwei Mal zu Stuhle gehe, denn auf dem Meer wird man leicht verstopft, davon große Krankheit kommt. Vor dem Essen soll man zwei oder drei Stücke Brot in Wein einweichen und noch vor dem Essen den Wein mit dem Brot austrinken ... Auch ist gut, wenn man des Abends nicht lange oben auf Deck bleibe, sondern bald unter Deck gehe. Am Morgen soll man nicht früh auf das Schiffsdeck gehen, sondern warten, bis die Sonne wohl aufgegangen ist. ... So einem die Füße stinken, soll man sie mit warmem Meerwasser waschen, und falls Wermut vorhanden ist, soll dieser ein wenig im Wasser gesotten und die Füße damit gewaschen werden ...“.
SWB/ros