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Eine Wallfahrt ins Heilige Land (2)

Ihre Waffen mussten die Pilger auf dem Schiff zurücklassen. Ihre Waffen mussten die Pilger auf dem Schiff zurücklassen. SWB/ros

Mit dem Erreichen der Ostküste der Insel Zypern bei Famagusta ergab sich für die christlichen Pilger natürlich auch Gelegenheit für einen Landgang. Das Königreich Zypern war damals auf den ersten Blick unter venezianischer Kontrolle, und die Pilger erfuhren für sie eher bedenkliche „Neue Mehre“ – also Neuigkeiten. Kurz vor der Abreise der Pilger aus Venedig hatten die Venezianer zwei Galeeren mit großen Geschenken an die Türken geschickt, die nun in Famagusta fest saßen und eben noch nicht bei den Türken eingetroffen waren. Die Türken als eigentliche Herrscher über Zypern erhielten seinerzeit von den Venezianern jährlich 5.000 Dukaten Tribut.

Die Venezianer hatten diesen schon sieben Jahre lang nicht mehr bezahlt, und die Geschenke auf den Galeeren sollten wohl mehr dem Hinhalten dienen. Für die christlichen Pilger blieb nur die nüchterne Erkenntnis, dass „der Türke ein gewaltiger Inhaber der Heidenschaft und des Heiligen Landes sei und seine Beziehungen zu den Venezianern nicht sonderlich gut ständen“. Die Nachricht löste einiges Erschrecken bei den Pilgern aus, denn die Venezianer hatten – natürlich auch gegen gutes Geld – den Pilgern Schutz und Geleit gegen die Türken versprochen. Da half nur noch ein gesundes Gottvertrauen ...

Weiter ging die Reise, und am 10. Juli bestand auf Höhe von Beirut erstmals Blickkontakt mit dem Festland. Sechs Tage später kam vor Jaffa ein Vikar als Vertreter des Guardians von Jerusalem auf das Schiff. Er sollte die Pilger nach Jerusalem geleiten und, falls nötig, auch Konflikte mit den Türken vermitteln, ein christlicher Reiseleiter des Spätmittelalters sozusagen. Zunächst aber erhielten die Pilger noch einige Hinweise. Vom Papst gebannte Pilger seien kein Problem, der Guardian von Jerusalem und der Vikar als sein Vertreter hätten die Macht, den Bann aufzuheben. Waffen sollten zurückgelassen werden, und die Pilger sollten sich hüten, wider die Türken oder ihren Glauben zu reden, da viele Türken ungarisch, italienisch und auch deutsch verstünden.

Danach ging es an Land, und – Bürokratie des Jahres 1517 – die Türken erfassten von jedem Pilger die Taufnamen und hielten sie in einer Liste fest. In Jaffa musste die Gruppe um Bernhard von Hirschfeld aus „Mangelhaftigkeit der Esel, darauf wir reiten sollten“ die Nacht in alten Kellern verbringen. Am nächsten Morgen standen die Esel endlich zur Verfügung, und unter türkischem Geleit zogen die Pilger nach Rahma (heute Ramla). Dort gab es schon wieder Ärger, denn der Vikar wurde geschlagen, als er einen Streit vermitteln wollte. Am Morgen des 18. Juli brach die Reisegesellschaft dann auf ihren Eseln gen Jerusalem auf, und noch vor Sonnenuntergang war die Heilige Stadt erreicht.
SWB/ros