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Monogamie - Lüge an uns selbst?

Die Liebe ist monogam, nur der Mensch nicht. Die Liebe ist monogam, nur der Mensch nicht. Fotolia

Anne (24) sitzt mit ihrem besten Freund Tom (27) im Café und mal wieder dreht sich alles nur um das andere Geschlecht, die Liebe und Sex. Beide sind in einer langjährigen Beziehung und trotzdem verspüren sie den Drang, noch jemanden anderen zu begehren. Dabei scheinen Tom und Anne mit ihren Beziehungen nach außen wirklich glücklich. Nur untereinander trauen sie sich ihre innerlichen Sehnsüchte auszusprechen. Dabei folgt Tom diesen schon seit mehreren Monaten, ohne dass jemals seine Freundin davon etwas mitbekommen hat. Er geht fremd und das mit voller Leidenschaft. Mittlerweile hat er sogar eine Affäre. Dabei liebt er seine Freundin Vivien über alles. Das behauptet er zumindest immer zu Anne, wenn er die letzten heißen Nächte mit einen seiner Geliebten auswertet. »Auf dem Küchentisch, im Whirlpool, im Auto oder auf fremden Toiletten – wir treiben es überall. Mit Vivien war das damals auch so. Mittlerweile ist das Sexleben mit ihr jedoch eingeschlafen. Sonntagmorgen gibt’s ’ne schnelle Nummer, weil‘s Gewohnheit ist. Fühlt sich aber eher an wie eine Pflichtveranstaltung«, schildert Tom, während er an seinem Milchkaffee schlürft. Anne bewundert Tom. Schließlich tut er es immer und immer wieder, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu verspüren. Manchmal plagt ihn die Angst, dass seine Vivien es rausbekommt. Der Kick ist jedoch einfach zu groß, um es bleiben zu lassen, schwärmt Tom. Auch Anne bewundert da so einen jungen, gut aussehenden Hemdträger auf Arbeit. Das Kopfkino geht mit ihr durch, sobald sie ihn sieht. Dabei weiß sie, dass fremdgehen nicht in die Tüte kommt. So hat sie es zumindest aus ihrem Elternhaus gelernt. »Wegen einmal«, stöhnt Tom. »Du lebst im Hier und Jetzt. Oder willst Du etwa später bereuen, etwas nicht getan zu haben?«

UNTREUE – ein Teufelswort, an das glücklich Verliebte nicht denken mögen. Jeder Zweite hat schon mal einen Seitensprung begangen. Dabei ist es zumindest bei den Tieren, die bekanntlich nach ihren Sexualtrieben leben, ganz normal, »untreu« zu sein. Das Weltbild der Liebe unserer Gesellschaft spricht jedoch von Monogamie. Also das Streben danach, mit EINEM Partner für immer zusammen zu sein. Dieses monogame Beziehungsmodell wird schon seit Jahrzehnten von den Menschen verfolgt oder zumindest nach außen so dargestellt. Und trotzdem tun es so viele Männer und Frauen immer und immer wieder: Sie gehen fremd. Paartherapeuten sehen das nicht als Schwäche. Im Gegenteil, sie bestätigen: »Die Liebe ist monogam, nur der Mensch ist es nicht.« Das würde also bedeuten, dass unsere Spezies von Natur aus untreu ist. Oder besser gesagt sexbesessen? Oder vielleicht liegt bei dem Verlangen nach jemanden bestimmten anderen doch ein Hauch von Liebe in der Luft?

NACHTFALTER wollte es wissen und hat sich in Torgau umgehört, wie die Meinungen »der Generation Beziehungsunfähig« zum Thema Fremdgehen sind. Schließlich wollen wir doch alle wissen, ob das Ideal von Romeo und Julia noch Bestand hat.

Julia (21) aus Elbe-Elster: Sind wir doch mal ehrlich, wenn man trotz Beziehung bewusst oder unbewusst nach anderen Ausschau hält, sind wir nicht vollkommen glücklich in unserer Beziehung. Aber wer ist das heutzutage schon noch?! Ich denke, hat man den Mann fürs Leben gefunden, will man auch niemanden anderen. Ansonsten ist es ein stummer Schrei nach Liebe, der vor allem bei uns Frauen nicht nur auf Sexualität beruht.

Mary (26) aus Torgau: Fremdgehen ist für mich keine Option! Ich führe eine Beziehung, um mit diesem Mann alles zu teilen und Spaß zu haben bei allen Dingen! Logischerweise gibt es auch Zeiten, die nicht so gut laufen, aber genau dann ist es wichtig zu wissen, dass jemand da ist, der Dich liebt und unterstützt und nicht zur Nächstbesten rennt. Warum es trotzdem passieren kann? Also Männer trennen oft Sex und Gefühle. Wir Frauen können das meist nicht! Und was heutzutage leider echt oft vergessen wird, ist das Reden miteinander über Sachen, die einen bewegen in der Beziehung, denn alles, was der andere nicht gesagt bekommt, kann er dementsprechend auch nicht ändern.

Christian (23) aus Belgern: Jeder Topf sollte seinen Deckel finden. Und dann, wenn man einmal weiß, man hat das richtige Gegenstück gefunden, sollte man sich vor allem von den sozialen Medien trennen. Da dort die Reizüberflutung, jemand anderen Attraktiven zu entdecken, sehr groß ist. Aus diesem Grund belügen sich viele Männer und Frauen gegenseitig. Wichtig ist, sich auf die eine Person, die man liebt, zu konzentrieren, damit Gedanken wie Fremdgehen erst gar nicht in Erwägung gezogen werden. Das heißt aber nicht, dass man den Kontakt zu Freunden meiden soll.

Nancy (26) aus Torgau: Ich selbst glaube, dass viele einfach nur fremdgehen, um ihr eigenes Ego zu pushen. Das sind zumindest meine Erfahrungen. Lange Beziehungen, zu wenig erhaltene Aufmerksamkeit, Langeweile – das alles verstärkt diese Entscheidung, sich mal wieder auf den Markt zu schmeißen, um was »Neues« auszuprobieren. Raus aus dem Trott, rein ins Abenteuer. Fakt ist aber auch, dass die meisten danach ihren Fehltritt bereuen. Man sollte sich generell im Klaren darüber sein, was man möchte.

Robert (19) aus Dommitzsch: Wenn ich mich da in meinem Freundeskreis umschaue, sind über die Hälfte schon einmal fremdgegangen. Ich denke, das ist einem jeden selbst überlassen. Wer es braucht, sollte es tun und sich nicht von der Gesellschaft unterdrücken lassen. Monogamie? Gibt es nicht! Wir sind eine andere Generation mit anderen Sichtweisen. Ich denke, das sollte grundsätzlich viel lockerer gesehen werden.

Anne (25) aus Torgau: Nach einem One-Night-Stand fühlt man sich attraktiver und hat H.henflüge. Außerdem gehört Betrügen ja heutzutage fast zum guten Ton. Wenn’s brenzlig wird, nennt man es einfach Ausrutscher, den man sich nicht erklären kann!Schwachsinn! Wir sollten lieber an unsere Beziehung arbeiten, denn oft geht nach Jahren nicht die Liebe zurück, sondern die sexuelle Anziehung. Liegt der Rasierer eingestaubt in der Ecke, braucht man sich nicht wundern. Ich selber bin davon überzeugt, den EINEN, den richtigen Partner teilt man nicht. Oder würdest Du Deine Lieblingsschokolade teilen?! Definitiv gibt es genügend monogame Partnerschaften, die genau das beweisen.

Vanessa (20) aus Dahlen: Ich glaube zwar daran, dass es noch Beziehungen wie bei »Romeo und Julia« gibt, wo man einen Partner sein ganzes Leben hat, aber das ist eher selten. Wer fremdgeht, führt einfach eine schlecht laufende Beziehung. Beim Fremdgehen ist nicht immer Liebe im Spiel. Es wird eher etwas gesucht, was man von seinem eigentlichen Partner nicht bekommt. Zudem kommt der Punkt, dass Social- Media eine Beziehung ganz stark ins Negative beeinflusst.

 

* Namen von der Redaktion geändert.

 

Text: Nicole Steeg