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Wahre Bulli-Liebe

Optische Täuschung in der Salar de Uyuni. Optische Täuschung in der Salar de Uyuni. privat

Abenteurer Alexander Georgi und sein alter VW-Bus auf großer Reise!

Hey Leute, mein Name ist Alex, ich bin 29 Jahre und gebürtiger Torgauer mit der Lust auf riesengroße Abenteuer. 2014 beschloss ich, meinen Job zu kündigen und mit einem Rucksack um die Welt zu reisen. Ganz nach dem Motto »No Risk – No Fun«. Im Januar 2015 zog ich One-Way Richtung Buenos Aires, um meinen Trip zu beginnen. Nach drei Wochen Sprachschule begann meine Reise. Erst mal durch Patagonien und Feuerland, wobei ich feststellte, dass der wahre Reiz Südamerikas nicht in den Städten liegt, sondern in der Natur. Also entschied ich mich spontan dafür ein Auto zu kaufen.

In Santiago de Chile fand ich einen alten VW Bulli, der zum Verkauf stand. Kurze Zeit später besiegelte ich den Kaufvertrag mit meinem Fingerabdruck und etwas »Kleingeld«. Doch bevor ich startete, verbrachte ich zwei Wochen mit chilenischen Mechanikern, die zum einen den Motor meines neu erworbenen Busses überholten, und mir zum anderen Grundlagen zur Wartung und Reparatur meines neuen Gefährts vermittelten – auf Spanisch bzw. mit Hand- und Fußzeichen. Der Bus war bereits mit einem Bett ausgestattet und nach meinem Besuch im »Baumarkt« hatte ich auch einen Campingkocher, eine Küchengrundausstattung für vier Personen sowie einen Klappspaten, ein Werkzeugkoffer und zusätzlich noch meine Freunde aus Deutschland mit an Bord.

Im Zickzack fuhren wir die Anden entlang, dabei erkämpfte sich mein alter Bus jeden einzelnenHöhenmeter auf den endlosen Serpentinen. Ich passierte den schillernden Titicacasee, kämpfte mich durch den dichten Verkehr von La Paz (Bolivien) und manövrierte den Bus ohne Servolenkung durch die schmalen, steilen Gassen von Cuzco (Peru). Das war schon ganz schön anstrengend, aber sehr aufregend und voller Spaß. Mein persönliches Highlight des Road-Trips war eine mehrtägige O road Fahrt durch die Atacama-Wüste bis in die Salar de Uyuni – ein ausgetrockneter Salzsee mit einer Ausdehnung von 140 km x 110 km auf über 3600 m Höhenmetern. Der Weg dorthin war sehr beschwerlich, mein Bus musste Pässe auf über 5000 m Höhe überqueren und bereits nach kurzer Zeit waren alle Benzin- und Bargeldvorräte aufgebraucht, sodass wir vorbeifahrende Jeeps um Hilfe bitten mussten. Denn von der nächsten Tankstelle waren wir noch mehrere Tage entfernt.

Nachts fielen die Temperaturen sogar bis auf -25°C. Trotz diesen Kältenächten entschieden wir uns, im Bus zu übernachten. Weiter ging es durch Ecuador bis nach Kolumbien. Ich verließ die Anden und fuhr durch den Dschungel, soweit dies auf halbwegs befestigten Straßen möglich war. Und plötzlich nach rund 20.000 km war ich in der Karibik angekommen und schlief unter Palmen mit Blick auf das Meer. Das war mal was ganz anderes, im Gegensatz zu den -25 °C in der Nacht. Und genau das wurde zu meiner nächsten Herausforderung, denn ich konnte mich nicht von meinem neuen »Zuhause« trennen. In der malerischen Hafenstadt Cartagena suchte ich einen Agenten, der mir dabei helfen konnte, den Bus nach Europa zu verschiffen.

Nach einer dreiwöchigen Überfahrt konnte ich meinen Container in der Nähe von Pisa öffnen lassen. Zum ersten Mal rollte der Bulli über europäischen Boden. Nach einigen schwierigen Verhandlungstagen mit dem italienischen Zoll war der Weg nach Deutschland frei. Über die Alpen ging es wieder zurück nach Torgau, um meine Familie wiederzusehen. Ich genoss die Zeit zu Hause, doch kurze Zeit später wartete schon das nächste Abenteuer auf mich! Eine Charity-Rallye um die Ostsee.

Start war Mitte Juni 2016 in Hamburg. In 16 Tagen mussten wir über 7500 km durch 10 Länder zurücklegen – mit nur 50 PS. Über Dänemark und Schweden ging es zunächst nach Norwegen auf die Lofoten, wo sich alle 200 Teams trafen, um gemeinsam die Sommersonnenwende zu zelebrieren. Mit Zwischenstopp am Nordkap fuhren wir weiter nach Murmansk. An der russischen Grenze schaute man nicht schlecht, als wir mit unserem chilenischen Kennzeichen und spanischen Papieren vorfuhren, die alles andere als offiziell aussahen. Über das Baltikum und Polen ging es wieder zurück nach Hamburg.

Unser Team sammelte im Rahmen der Rallye über 1600 EUR, die wir u. a. der DKMS und Viva con Agua zugutekommen ließen. Insgesamt sind durch die 200 Teams über 380.000 EUR an Spendengeldern gesammelt worden. Ein unglaubliches Ergebnis!

Nach den Strapazen der Rallye hat sich mein Bus nun etwas Pflege verdient. Derzeit steht er in einer Werkstatt im Berliner Umland, um grundlegend restauriert zu werden. Erklärtes Ziel: TÜV samt deutscher H-Zulassung. Über 30 Jahre Betrieb in Südamerika und meine Reise haben deutliche Spuren hinterlassen. Es gibt viel zu tun und Ersatzteile sind für dieses spezielle südamerikanische Modell in Europa fast nicht zu bekommen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich bald wieder mit meinem Bus auf Reisen gehen kann. Wohin diese gehen wird? Ich weiß es noch nicht. Aber da fällt mir schon was ein.

Text: Alexander Georgi