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Leben auf Pump

Leben auf Pump Foto: Eileen Jack

Sport ist Mord … ja, nach so mancher Einheit hatte ich schon ab und an mal das Gefühl, diese Redewendung ist eben nicht einfach so aus der Luft gegriffen. Sie trifft zwar inhaltlich nicht ganz ins Schwarze, schrammt aber auch nur haarscharf daran vorbei. Der Torgauer Dennis Trommler kann und will mir da absolut nicht zustimmen. Für ihn ist Sport Spaß, Freude am Leben, Ausgleich zur Arbeit und nicht zu unterschätzen in seiner Wirkung auf den Körper und die Gesundheit. In der Regel treibt er fünfmal pro Woche Sport. Frei davon nimmt er sich nur samstags. Am Sonntag steht ausführliches Stretching auf dem Plan – auch irgendwie Sport. »Dann mache ich den Personalcoach für alle Leute, die schon wach sind und Lust drauf haben« lacht Dennis.
Er ist Gewichtheber beim SSV 1952 Torgau und das seit inzwischen zwölf Jahren. Im zarten Alter von 13 – also mitten in der Pubertät – hat er damit begonnen, schwere Eisen zu stemmen. Ich kann mich noch gut an den kleinen, schmalen Jungen erinnern, der dazumal die schweren Gewichte in die Luft wuchtete. Keine 40 Kilogramm hat er damals gewogen. Und genau das war auch der Grund für Dennis, sich eben nicht für Fußball, Handball oder Tischtennis als Sportart zu entscheiden, sondern eben fürs Gewichtheben. »Ich war ein Fliegengewicht und hatte gehofft, dass sich mein Körper dadurch verändert, sich besser definiert, ich Muskeln bekomme«, erinnert sich der heute 25-Jährige und ihm huscht ein Schmunzeln übers Gesicht.
Heute hat Dennis Muskeln und das nicht zu knapp. Er hat sein Ziel erreicht, seinen Körper definiert. Schön anzuschau'n! Das muss ich schon zugeben. Gern hätte ich auch zumindest an einigen Stellen solche Definitionen – große Muskeln müssen es ja gar nicht sein. Aber nicht nur äußerlich trainiert Dennis seinen Körper durch das umfangreiche Programm der vergangenen Jahre. Das besteht im Übrigen aus dem klassischen Gewichtheben, also Gewichte stoßen und reißen, wie es fachlich korrekt heißt, aus Freelethics, Spielplatztraining, Radfahren und Schwimmen. »Durch den Sport und das spezielle Krafttraining vergrößert sich nachweislich auch das Herzvolumen«, erklärt sein Trainer Heiko Scholz. Wenn man im Fitnessstudio Gewichte stemmt, wird der Arm irgendwann dicker. Die Muskeln passen sich der Belastung an. Ähnliches passiert beim Herz, wenn es beim Sport regelmäßig gefordert wird. Durch die dauernde Belastung vergrößern sich die Herzmuskeln und somit logischerweise auch das gesamte Herz. Medizinisch spricht man von einer Hypertrophie der Herzmuskulatur. Wie ein gut trainierter Bizeps ist ein Sportlerherz nicht krankhaft und in der Regel auch nicht gefährlich. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn ein größeres Herz ist auch leistungsstärker. Es kann bei jedem Schlag mehr Blut in den Kreislauf pumpen. Im Ruhezustand muss es seltener schlagen und unter Belastung kann ein Sportlerherz den Organismus besser mit Sauerstoff versorgen. (Quelle: www. netzathleten.de)
Und das ist auch gut so, denn Trainer Heiko Scholz hat Großes vor mit seinem Schützling. Nach gut einem Jahr Abstinenz und aktuell um so intensiverem Training kommt Dennis wettkampftechnisch momentan auf Landesebene zum Einsatz, konkret über den SC Riesa in der Sachsenliga. Ziel ist jedoch die 2. Bundesliga. Dafür müsste der Torgauer für sein Körpergewicht von (maximal) 75 Kilogramm – meist hat er noch ein bisschen weniger – 100 Kilogramm im Reißen und 125 Kilogramm im Stoßen schaffen. Bis dahin hat er aber noch einiges zu trainieren.
»Meine Werte liegen aktuell bei ungefähr 88 Kilogramm im Reißen und zwischen 105 und 108 Kilogramm im Stoßen«, sagt Dennis und Trainer Heiko Scholz nickt. Als sein Schützling den Trainingsraum verlässt, frage ich ihn, ob Dennis tatsächlich das Zeug für die Bundesliga hat. »Natürlich«, hämmert mir der Trainer förmlich seine Antwort entgegen und strahlt.
Die knapp zwölfmonatige Pause, die Dennis im vergangenen Jahr eingelegt hatte, tat ihm weh… aber seinem Schützling auch. »Du kannst als Leistungssportler nicht einfach aufhören mit dem Sport. Du musst abtrainieren, deine aktive Muskelmasse regelmäßig bewegen«, erklärt Heiko Scholz. Und Dennis kann seinem Trainer nur beipflichten. Er hat es am eigenen Leib gespürt, dass die Pause, auch wenn er sich nach eigener Ansicht dringend nötig hatte, seinem Körper nicht gutgetan hat. »Ich habe immer nur ein bisschen zu Hause trainiert, mit dem, was ich eben so dahabe. Da hat mein Körper gestreikt. Das hat ihm gar nicht gefallen, plötzlich nicht mehr gefordert zu werden«, erzählt mir Dennis und stemmt mal lächend, mal prustend die nächsten 70 Kilogramm in die Luft. Inzwischen ist er wieder fit wie der sprichwörtliche Turnschuh und wird es von Tag zu Tag mehr.

Text: Eileen Jack