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Das Spiel des L(i)ebens

Das Spiel des L(i)ebens Fotos: Fotolia, Pixabay

2500 Likes bei Tinder, 600 Facebook-Freunde, mittlerweile über 400 Insta-Follower, 50 Matches und jeden Tag mindestens einen Icebreaker bei Lovoo und auf jeder Party ’ne Nummer abgestaubt. Klingt, als wäre ich beliebt, toll und schön, grübelt Anica eines Abends in ihrem Bett. Sie hatte in letzter Zeit viele Dates. Spaziergänge an der Elbe und bei den Bären entlang, auf dem Markt bei Steinecke auf einen Kaffee, Abchillen am Großen Teich oder ein Treffen bei einer Clubmate am Kiebitzsee. Einmal hatte sie sogar ein Date beim RB-Spiel in Leipzig. Im Großen und Ganzen war alles dabei. Vom Fuckboy über den zu lieben Jungen von nebenan bis hin zum Muttersöhnchen oder dem Typen, der nur von seiner Ex redete. Einige dieser Boys traf sie zwei- oder dreimal, dann wurden sie ihr zu langweilig. Bei anderen beendete sie das Treffen schon nach 30 Minuten. Um dennoch nett zu bleiben, kam die beste Freundin ins Spiel, welche vorab immer eingeweiht wurde. Das heißt, wenn‘s also furchtbar war, kam der typische Notfall-Anruf der BFF. Mittlerweile gibt es zwischen den beiden sogar Codewords wie »CINDY« – das bedeutet: Der geht gar nicht, ich muss hier weg!
Natürlich gab es auch Verabredungen, die so richtig toll und nach Anicas Geschmack waren. Diesen schwärmte sie noch lange hinterher. Hierbei kassierte Anica dann die Abfuhren. Irgendeinen Haken hatte die Sache immer. Mit einigen gab es stundenlange Gespräche, bei anderen ein gemeinsames tiefes Schweigen vorm TV. Manchmal eine Berührung oder intensive Küsse. Mit denen, in ihren Augen »besonderen Boys«, traf sie sich mehrmals. Ihre Definition von Besonders ist dabei wie eine geheimnisvolle Cocktailformel. Gutes Aussehen + sympathischer Charakter + X. Die ersten zwei Inhaltsstoffe erscheinen dabei ganz logisch. Ja und das »X« kann man halt nicht definieren. Entweder es ist da oder nicht da, erklärt Anica.
Selten, aber ab und an kam es bei den »Besonderen« natürlich auch zum Sex. Der war immer gut und später ein interessantes Thema für die Mädelsabende. Im Endeffekt ist trotzdem nichts Ernstes daraus geworden, weil das Interesse auf der anderen Seite irgendwann verblasste. Die einen Männer wollen nur Spaß, die anderen was Ernsteres, aber dennoch nichts Festes. Wieder andere sind bereits jahrelang vergeben, verheiratet oder haben sogar schon Kinder. Das war zumindest Anicas Gesamtbild nach dem Klassentreffen, welches sie vor wenigen Wochen hatte. Ein Vierteljahrhundert ist ja auch schon ein stolzes Alter. Und Anica ist immer noch alleine. Dabei waren doch schon alle möglichen Typen dabei. Nur nicht der Eine! Den wünscht sie sich nämlich schon lange. Doch wer ist der Eine? Der Eine von 40.000 Millionen – eben der perfekte Deckel.

Nach all den verschiedenen Chatpartnern bei WhatsApp und den vielen Dates hat Anica die Hoffnung eigentlich schon fast aufgegeben. Für sie gibt es halt nicht das perfekte Gegenstück. An dem einen Abend war sie so verzweifelt, dass sie einfach einen Unbekannten bei der Oldschool-Plattform Facebook hinzugefügt hat. Nichts Besonderes, dennoch eigentlich als Frau nicht ihr Part, den ersten Schritt zu machen. Sie stalkte das Profil, auf dem nicht viel zu sehen war, und stellte fest, dass der Typ sogar mal auf ihre Schule ging und laut seinen Facebook-Bildern irgendwas Spezielles hatte, etwas anderes als alle anderen, was ihr gefiel. Und BÄÄÄMMMM: JACKPOT. Kurz darauf meldete er sich. Single – nett, humorvoll und vor allem nicht zu aufdringlich. Das gefiel ihr. Nach ewigem Schreiben traf sie ihn. Und dann stand er vor ihr. Nach einem langen Spaziergang war das erste Date dann beendet. Und sie wusste sofort – der ist es! Nun muss er nach dem ersten Treffen auch so überzeugt von Anica sein und sich bei ihr melden. Ihre goldene Regeln nach den tausend Dates lautet dabei wie folgt: »Der Typ hat nach dem Treffen 60 Minuten Zeit. Sollte er mich wirklich gut finden, meldet er sich.« Diesem Typen hätte sie sogar drei Tage Karenzzeit gegeben. So hin und weg war sie. Aber das war gar nicht nötig. Lieb und schüchtern meldete er sich schon wenige Minuten nach dem Date. Es kam darauf zu vielen weiteren Treffen und aus dem Techtelmechtel wurde eine romantische Affäre. Sie unternahmen tolle Sachen, hatten guten Sex und den gleichen Humor. Doch als Beziehung wurde es offiziell nie betitelt. Das war ihr aber egal. Sie hatte ihren Prinzen auf dem weißen Ross gefunden.
Und nein, lieber NACHTFALTER-Leser, unsere Story hat leider kein Happy-End. Nach einem halben Jahr distanzierte sich der Traumprinz. Die Treffen wurden seltener und kurz darauf wurde das von ihm »nicht bezeichnete Ding«, neumodisch auch Freundschaft plus genannt, beendet.

Und dann plötzlich ist er da! Dieser Schmerz, der den Verstand lahmlegt. Es scheint wie eine Rasierklinge, die in Millisekunden langsam das Herz durchkreuzt – immer und immer wieder. Kein Medikament der Welt kann dagegen helfen und sterben wäre im ersten Moment die beste Option. Ja, die Rede ist vom altbekannten LIEBESKUMMER – dieses Teufelswesen.

NACHTFALTER-will Euch unterstützen, um schnell aus solch einem schwarzen Loch wieder rauszukommen und hat die besten Tipps gegen Liebeskummer für Euch zusammengefasst:

♥ Trefft Freunde, Freunde, Freunde und noch mal Freunde. Diese benötigen in der Zeit vermutlich Ohropax, aber sie werden Euch gerne zuhören. Und versprochen, Ihr werdet Euch nach dem seelischen Auskotzen besser fühlen.

♥ Lenkt Euch mit anderen Boys/Girls ab. Damit wird Euer Ego schnell wieder etwas aufgepeppt.

♥ Geht auf Partys und schafft Euch jede Menge verrückte Erlebnisse – tut halt all das, was nur im Single-Dasein besonders Spaß macht.

♥ Vermeidet jeglichen Kontakt mit demjenigen, der Euch Liebeskummer zugefügt hat. Auch hinterherstalken bringt Euch gar nichts, sondern streut nur erneut Salz in die Wunde.

♥ Schreibt ihm nicht betrunken peinliche »Ich vermiss dich«- Nachrichten.

♥ Schaut Euch nach einem neuen Hobby um. Vielleicht eine neue Sportart. Diese lenkt von der Dauerschleife im Kopf ab und powert Euch aus.

♥ Schaut in den Spiegel und sagt Euch, wie toll Ihr seid. Nein, damit seid Ihr nicht eingebildet. Sich selbst zu lieben, ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.

♥ Seid dankbar für all die anderen wunderbaren Menschen, die Ihr habt! Freunde und Familie. Diese werden Euch ein Leben lang lieben und zwar genauso, wie Ihr seid.

♥ Fotos und Nachrichten müsst Ihr nicht löschen, Ihr solltet sie jedoch archivieren, so dass Ihr keinen Zugriff auf sie habt.

♥ Glaubt an die nächste Liebe! Denn wo sich eine Tür schließt, öffnet sich schon bald eine neue. Auch wenn das jetzt für Euch unvorstellbar klingt.

 

Text: Nicole Steeg