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Michelle Messerscharf

Michelle Messerscharf Frances Wendt

Manche spielen Fußball, andere gehen reiten oder klettern – aber kennt Ihr jemanden, der Messer per Hand fertigstellt? Die 17-jährige Michelle Knape aus Schildau tut genau das! Im Interview erzählt sie von ihrer Familie und ihrem außergewöhnlichen Hobby.

 

Ihr fertigt also Messer selber. Wann und wie hat das Ganze denn angefangen und wie habt Ihr es gelernt?
Michelle
: Puh, angefangen hat das Ganze ungefähr vor 16 Jahren. Mein Vater war schon immer ein ziemlicher Mittelalterfreak. Er schießt Bogen, war früher auf Mittelaltermärkten und hat auch mit den Messern irgendwann angefangen. Beigebracht hat er sich das alles selber. Ich bin damit aufgewachsen. Mit drei hatte ich meinen ersten Bogen und bin bei ihm auf dem Schießplatz mit rumgeflitzt. Das Interesse für die Messer begann aber erst vor ungefähr einem Jahr.

 

Wieso, was war denn vor einem Jahr?
Zu diesem Zeitpunkt habe ich mit meiner Fachoberschule in der Fachrichtung Gestaltung begonnen. Da habe ich festgestellt, dass auch seine Messer eine Form der gestaltenden Kunst sind. Man muss nicht immer zeichnen, oder? Kunst sind ja nicht nur Gemälde oder Skulpturen. Am Anfang habe ich sie regelmäßig begutachtet. Dann habe ich ab und an mal selber eine Idee geliefert und nun auch mal ein paar Skizzen. Selber gebaut habe ich aber noch keines. Aber ich arbeite immer öfter daran mit.

 

Wie lange arbeitet Ihr an einem Messer und welche Materialien verwendet Ihr?
Zeitlich kann man das nicht genau eingrenzen. Es ist schließlich ein Hobby. Man arbeitet immer daran, wenn man Lust hat. Das hängt vom Messer ab. Je nach Typ kann das schon mal bis zu 100 Stunden dauern. Für die Klingen lässt mein Vater nur die hochwertigsten Messerstähle zu. Ich lasse die Fachbegriffe und die einzelnen Schritte mal lieber weg – das wird sonst schnell langweilig. Als Griffmaterial nehmen wir alles, was sich eignet. Neben den klassischen Materialien wie Knochen, Holz oder Geweih bis hin zu Glasfaser-
verstärkten Kunststoffen experimentieren wir mit den verschiedensten Materialien. Unser momentaner Favorit ist Gießharz auf Zwei-Komponenten-Basis, gefärbt in allen möglichen Farben, zusammen mit zum Beispiel Holz, Wabengittern aus Aluminium, Zahnräder aus alten Uhren oder Jeansstoff ergibt das coole Kreationen. Natürlich sieht nicht immer alles gut
aus, aber es macht einen Riesenspaß. Mein persönlicher Liebling sind momentan die phosphoreszierenden Griffe, also die, die im Dunkeln leuchten.

 

Habt Ihr Eure eigene Werkstatt?
Wir haben uns eine Werkstatt unten in unserer Garage und im Keller eingerichtet. Dort haben wir mehrere Werktische, unzählige Feilen und zigtausend andere Werkzeuge. Also alles, was wir brauchen. Nur zum Härten des Stahls fehlen uns die Mittel. Das ist das Einzige, was wir von einer professionellen Härterei machen lassen.

 

Wie oft in der Woche übt Ihr denn Euer Hobby aus?
Je nach Lust und Laune. Mein Vater hat immer neue Ideen – teilweise schneller als er sie umsetzen kann. Dabei steht er eigentlich täglich mindestens eine Stunde an der Werkbank. Aber die Entwürfe der kommenden Messer stapeln sich trotzdem.

                    

Woher kommen Eure Ideen?
Eigentlich zeichnen wir nur intuitiv etwas auf. Die, unter Euch, die malen, kennen das bestimmt. Man hat noch kein richtiges Bild im Kopf und schaut einfach mal, was gut aussieht. Das korrigiert man so lange, bis man zufrieden ist. Dann kommt die Zeichnung auf eine Schablone und diese wird dann auf den Stahl übertragen. Die Griffe am Ende sind dann unsere Spielereien. Man schaut, was dazu passen könnte und probiert es aus. Auf Instagram habe ich mal die einzelnen Schritte eines noch unfertigen Messers gepostet. Ihr könnt sie Euch ja mal anschauen, wenn Ihr Lust habt.

 

Habt Ihr noch andere Hobbys?
Ich persönlich lese noch extrem viel und schreibe ab und an auch meine eigenen Geschichten. Dann bin ich natürlich auch viel mit Freunden unterwegs. Aber wir haben als Familie auch noch andere Hobbys, das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

 

Wo findet man noch mehr Infos über Euch?
Zu finden sind wir auf Pinterest unter: René Knape, auf Instagram unter symphonie.of.knifes und wir haben eine eigene Website mit dem Namen I-R-Messerdesign. Schaut doch mal vorbei!

Interview: Frances Wendt