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Kampf der Geschlechter

Kampf der Geschlechter Foto: Frances Wendt

»Du bist am schönsten, wenn Du glücklich bist.« –  Heißt eines dieser Schnulzenzitate auf Seiten wie Visual Statements, MadeMyDay oder ähnlichem. Wenn das wahr ist, bräuchte man also keine gefakten Bilder, die so einigen zum Gesichtstuning im Netz verhelfen. Dennoch verschönert sich die halbe Welt digital. Denn eine heiße Schleckrosine oder voll bangable für den Mann von morgen zu sein, ist schon ein ordentlicher Ansporn für das Girl von heute. Die NACHTFALTER-Redakteure Nick und Nicole haben das Mindfuck Schönheitsideal mal genauer für Euch erkundet.

Lieber Nick, dass wir 50 Selfies machen und oft dann in unseren Augen nur ein verwendbares dabei ist, liegt grundsätzlich nicht daran, dass wir mit uns selbst unzufrieden sind. Der große Druck im WWW macht uns jedoch extrem unsicher. Vielleicht sogar krankhaft selbstkritisch.
Und warum? Weil wir mithalten und natürlich herausstechen wollen. Dabei wissen wir Girls, dass Ihr Dudes nicht auf überschminkte Tussis steht und Ihr es hasst, wenn wir »zehn« Filter über unser Foto legen. Dennoch sind es dann genau diese Onlinefotos, die Ihr besonders heiß findet und die ihr liked. Wir Girls beobachten eben auch nur unser Marktumfeld und wollen mit den anderen Schönheiten mithalten, uns gut präsentieren und natürlich eins: Euch gefallen. Dabei können wir natürlich »NATÜRLICH« sein. Aber reicht Euch das? Das Schönheitsideal der Generation Selfie verrät dabei etwas anderes. Oder was meinst Du?
Dabei verstehe ich vollkommen, wer bekommt nicht gern was Nices vor die Linse.Schließlich schauen wir Girls auch gern hübsche Männer an. So folge ich meinen Lieblingsschauspielern bei Instagram, die neben ihren künstlerlischen Talenten auch ein Leckerbissen fürs Auge sind. Die Dudes, die uns jedoch am Ende vom Hocker hauen, also die wahren Ehrenmänner, sind dann jedoch eher die, die uns mit ihrem Wesen flashen. Aber Charakterzüge lassen sich bei den #Ichganzspontan-Fotos wohl eher weniger entnehmen. Gehören zur Schönheit dennoch für mich dazu. Vor allem, so denke ich, spielt die Ausstrahlung safe eine ziemlich große Rolle. Diese macht wirklich auch nach außen schön. Zu altbacken? Für mich nicht. Ich rate auch meinen unsicheren Freundinnen immer ganz poetisch, dass sie es wie eine Blume machen sollen. Einfach blühen, egal ob sie mit der neben sich mithalten können oder nicht. Oder was sagst Du, Nick? Nicole

Meine allerliebste Nicole, ich muss Dir ganz ehrlich sagen …
Ich verstehe diese Diskussion nicht. Meiner Ansicht nach vergleichen wir hier die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen. Zwei völlig unterschiedliche Welten. Denn zum einen sprechen wir hier von der „Instagram“-Welt und dem echten Leben.
In ersterem versteht es sich natürlich von selbst, dass man dort Filter, aufreizende Outfits und entsprechende Posen einsetzt. Das liegt in der Natur der Sache, denn das Medium soll unterhalten. Und ebenso wie in anderen Medien werden auch hier verschiedene Stilmittel eingesetzt. Und das ist, für meinen Teil, auch absolut legitim. Wenn ich mich entscheide, in meiner Freizeit durch Instagram zu scrollen und mir dort Bilder von braungebrannten Fitness-Influencern oder traumhaft schönen Urlaubsstränden anzusehen, dann ist das im Grunde das Gleiche, wie wenn ich den Fernseher oder ein Magazin einschalte. Und dementsprechend möchte ich auch das bestmögliche Ergebnis präsentiert bekommen.
Ganz anders verhält es sich, natürlich, im echten Leben. Hier turnen mich falsche Wimpern, lange Nägel und Bräune von der Sonnenbank mehr ab als an. Denn hier konsumiere ich nicht, hier interagiere ich. Und genauso wenig, wie ich im echten Leben etwas mit den Feuersteins oder Alf unternehmen möchte, möchte ich auch keine gefakten Plastik-Persönlichkeiten in meinem Freundeskreis haben. In der realen Welt kommt es für mich auf Natürlichkeit an, doch wenn ich konsumiere, dann kann gerne mit allen Mitteln der Technik nachgeholfen werden. Nick