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Du bist so PORNO!

Nie waren Sexfilme so beliebt, so vielfältig und so hart wie jetzt – nicht jedem Höschen gefällt das. Nie waren Sexfilme so beliebt, so vielfältig und so hart wie jetzt – nicht jedem Höschen gefällt das. Foto: Adobe Stock

»Oh Baby! Du bist so geil ...!« – »Mhhhhmmmm, ja, gib‘s mir tiefer!« – »Nicht! Auf! Hören!!!«

Erst wird geschnurrt, dann gebrüllt: Seit es die ersten modernen Pornos in eigens für sie eingerichteten Schauanstalten geschafft haben, sind sie einen steinigen Weg gegangen und haben sich verändert. Das Motto: Was sie nicht vernichtet, macht sie härter.

Und das hat System. Wenn man »hardcore sex« bei Google eingibt, erhält man 600 Mio. Suchergebnisse, bei »hard fuck« sind es sogar noch 29 Mio. mehr. »Romantic porn« »kommt« gerade mal auf 423 Mio. Einträge. Nun mag ja nicht jedes sich dahinter verbergende Filmchen eine Sternstunde anregender Filmkunst sein, aber das schockierendste ist eigentlich, dass es Konferenzen gibt, in denen die Magnanten der Porno-Industrie die Verkaufszahlen und die Online-Performance ihrer verschiedenen Spal … ähm, Sparten zum Anlass nehmen, immer krassere Praktiken und Themensettings für die nächsten Verkaufsschlager zu entwickeln.
Laut Pornokritikern Gail Dines ist die Mehrzahl aller Clips auf den einschlägigen Seiten inzwischen grenzüberschreitend – und nicht »nur« demütigend für die Frauen.
Die Gefahr sieht sie ganz klar: »Wir erziehen eine Generation von Jungs, die denken müssen, das wäre der normale sexuelle Umgang. Dass sie genauso prall ausgestattet und ausdauernd sein müssen, wie die Stars im Netz. Und ihre Frauen auf rücksichtslose Art und Weise und meist überhaupt ungefragt  nach den eigenen Wünschen und Fantasien – seien sie noch so schmerzhaft – penetrieren und unterwerfen. Schon dieser Umgang trennt Sex von Liebe.«
Klingt nicht gefährlich, betrifft uns nicht? Weit gefehlt! Deutschlands Porno-Kieker schalten am siebent-häufigsten ein und ziehen sich dann für knapp zehn Minuten fremden Sex rein. Am liebsten filtern sie die Videos danach, ob sie mit »german sex« oder auch »german teen« bezeichnet sind. Der Spitzenreiter aller internationalen Suchworte ist »lesbian« und schafft es hierzulande gerade mal auf Platz 12 des Suchrankings.

Aber die Industrie der Nacktheit, Sinneslust und Grenzerfahrung auf orgasmischer Ebene hört nicht auf, sich zu evolutionieren. Denn seit knappen zehn Jahren boomt auf die FemPorn-Welle – weibliche Regisseure setzen gezielt Fantasien von Frauen filmisch um und das auch noch mit einem femininen Anspruch an die Ästhetik der Streifen. Dabei geht es weniger um Weichzeichner und stundenlanges Vorspiel als darum, den Sex auch so zu zeigen, wie Frauen ihn sehen und erleben und sie mal die Richtung angeben zu lassen, ohne deshalb gleich die Peitsche vom Requisitentisch zu schnappen.
Regisseurin und Produzentin Erika Lust macht das ganz unmittelbar: Auf ihrer Seite www.xconfessions.com sammelt sie Zuschriften von Userinnen und macht zweimal im Monat aus ausgewählten jeweils einen Porno. Die Idee ist also eine echte Fantasie, es gibt keine Tabus, alle Beteiligten werden fair bezahlt und erst, wenn alle mit dem Clip zufrieden und darauf stolz sein können, wird er fertig produziert. Niemand muss hier etwas tun, das ihm widerstrebt und das vorher nicht mit ihm besprochen und diskutiert wurde. Zum Vergleich: Die meisten großen Produktionsfirmen machen sich nicht mal die Mühe, die Darsteller vor dem Dreh persönlich kennenzulernen geschweige denn, darüber zu informieren, was am Drehtag alles mit ihnen angestellt wird. Manche der Schmerzensschreie sind echt, die Mehrzahl der Höhepunkte ist es nicht. Aber auch in Von-Mädels-für-Mädels-Pornos wird vorgetäuscht. Dass jedem Protagonisten gefällt, was verlangt und performt wird, kann und will niemand verlangen. Auch Erika Lust, die übrigens eigentlich Hallqvist heißt, nicht.

Fuckt ist: Wer ernst nimmt, dass man die auf Youporn, Pornhub und Co. dargestellten Szenen in Sachen real existierender Antörnpraxis und Leidenschaft im Sinne eines respektvollen und übrigens gerade dann heißen und hemmungslosen Sexlebens eben nicht ernst nehmen kann, der hat schon gewonnen. Als Inspirationsquelle werden sie wohl immer nützen können. Und gerade die Vielfalt der Konzepte, die Entwicklungen hin zu realistischeren Storys und ganz normalen Darstellern, die auch sichtlich Spaß am angeleiteten Ringelpietz mit Anfassen haben, spricht dafür, dass Porno vielleicht noch nie so wichtig für die Findung der eigenen Vorlieben war und sein durfte. Und das ist doch eigentlich ganz gut so. »Oder, Baby?«