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Alles Bio in Bockwitz

Oliver Tausch ist Bio-Landwirt mit Leib und Seele. Täglich verbringt er Zeit auf dem Feld oder im Beet. Oliver Tausch ist Bio-Landwirt mit Leib und Seele. Täglich verbringt er Zeit auf dem Feld oder im Beet. Foto: Nick Leuckhardt

Die pure Idylle.

Anders lässt sich das, was sich Oliver Tausch und seine Frau Nadja in dem kleinen Belgern-Schildauer Ortsteil Bockwitz aufgebaut haben, nicht beschreiben. Ein großes Bauernhaus, dahinter große Gemüsebeete und jede Menge weite Felder. Überall zirpt, brummt und knackt es vor Leben, auf den Wiesen grasen drei wollige Schafe. Magda, Paula und Lise heißen die drei und gehören, ebenso wie Hund Emma, zur Familie. In dieser Idylle, in der viele Menschen wohl nur zu gerne Urlaub machen würden, lebt die vierköpfige Familie Tausch nicht nur, sie arbeitet auch. Und das jeden Tag. Denn die Familie hat sich der Biolandwirtschaft verschrieben. Vom Getreide über Tomaten und Gurken bis hin zu Kartoffeln bauen sie hier alles an, was gut schmeckt, gesund ist und die Natur nicht belastet. Denn die ökologische Lebensweise hat sich die junge Familie auf die Fahne geschrieben und praktiziert diese auch konsequent.
Die Anfänge nahm die landwirtschaftliche Passion von Bio-Bauer Oliver bereits in jungen Jahren. Bei seinen Großeltern durfte er immer mit anpacken, lernte schnell die Wichtigkeit des Lebens im Einklang mit der Natur. Heute setzt der 34-Jährige dies fort und geht sogar noch einen Schritt weiter als seine Vorfahren. Denn während die Großeltern noch Angestellte auf einem Bauernhof waren, hat Oliver bereits seit neun Jahren einen eigenen Hof.
25 Hektar ist das Reich der Familie Tausch in Bockwitz groß. In diesem gedeihen nicht nur zahlreiche Nutzpflanzen, sondern auch die Tierwelt hat es hier richtig gut. »All das ist Teil des Ökosystems und hat Einfluss aufeinander«, erklärt Oliver. »Würden wir das eine vernachlässigen, dann wäre auch das andere davon betroffen.« Er deutet auf einen großen Haufen mit altem Holz. »Hier leben zum Beispiel jede Menge Insekten. Die sind zwar nicht direkt für uns von Nutzen, spielen aber im Gleichgewicht der Natur eine wichtige Rolle.«
Auf diese so genannte Bio-Diversität legt man nicht nur auf dem Bockwitzer Biohof großen Wert, sie ist auch ein wichtiger Faktor, um als ökologischer Landwirtschaftsbetrieb zertifiziert zu werden. Erst dann darf man sich als Bio-Bauernhof bezeichnen und seine Produkte mit dem allseits bekannten Bio-Siegel ausstatten. Der Hof von Familie Tausch hat diese Zertifizierung seit letztem Jahr. Für Bio-Bauer Oliver ein absolut logischer Schritt: »Natürlich ist das Bio-Siegel wirklich gut für das Image, aber wir betreiben diese Art der Landwirtschaft aus eigener Überzeugung. Da hat es dann nur Sinn gemacht, die Zertifizierung zu beantragen. Viele Verbraucher legen heutzutage großen Wert darauf und durch das Siegel gibt man dem Verbraucher auch eine gewisse Sicherheit, auf die er sich verlassen kann.«
Neben dem Zusammenspiel von Mensch, Tier, Pflanze und Boden legen Oliver auch großen Wert auf eine so genannte weit gestellte Fruchtfolge. »Das bedeutet, dass wir nicht direkt hintereinander das Gleiche anbauen, um unseren Boden zu schonen. Würden wir immer nur dieselben Pflanzen auf dem gleichen Boden hochziehen, dann würden diese ihm immer weiter bestimmte Nährstoffe entziehen, bis irgendwann keine mehr davon da sind. Durch die weit gestellte Fruchtfolge hat er immer wieder die Gelegenheit, sich zu regenerieren und seine Nährstoffe anzureichern.« Außerdem verhinde-
re diese Art des Anbaus, dass sich Krankheiten allzu weit ausbreiten. Hier sind auch der Anbau von so genannten Zwischenfrüchten
sowie eine zwischenzeitliche Stilllegung genutzter Flächen möglich.
Ein ähnliches Ziel, nämlich die Schonung des Bodens, verfolgt auch der Aspekt der regenerativen Landwirtschaft. Dabei wird der Boden immer wieder mit den Nährstoffen angereichert, die er braucht. »Wir heilen ihn sozusagen, sorgen dafür, dass er gesund bleibt.« Es gehe darum, dem Boden mehr Nähstoffe zu geben, als ihm zu entziehen. So wird unter anderem ständig der Humusgehalt überprüft und immer wieder neu aufgebaut. Gedüngt wird ausschließlich mit natürlichen Mitteln, also Tiermist, Kompost, Steinmehl und Pflanzenjauche.
Olivers Erfolgsrezept ist die absolute Überzeugung, mit der er seinen Bio-Bauernhof betreibt. Auf die Frage, warum er auf die teilweise deutlich aufwendigere ökologische Landwirtschaft setzt, hat er eine ganze Handvoll Antworten. Ganz oben steht dabei natürlich die Verantwortung der Umwelt gegenüber. »Wir haben eine Verpflichtung gegenüber anderen, die Welt und ihre Natur so zu erhalten, wie wir sie auch vorgefunden haben. Mit all der faszinierenden Artenvielfalt.«
Auch die Gesundheit spielt für die Tauschs eine wichtige Rolle. »Wir sollten bei unserer Ernährung einfach mal wieder darüber nachdenken, was wir nicht nur der Natur, sondern auch uns selbst für einen Schaden zufügen.« Allergien, Unverträglichkeiten und mehr seien in der heutigen Zeit unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich die Menschen tagtäglich mit ihrem Essen Giftstoffe zuführen. »Eine Vielzahl nicht unbedenklicher ,Pflanzenschutzmittel’ und Hormone schaden uns Menschen, werden aber trotzdem Tag für Tag von uns konsumiert.«
Am Ende regle aber natürlich der Markt, wie und vor allem auch wo ein Großteil unseres Obstes und Gemüses produziert würde. Und das sei, im Moment zumindest, zum größten Teil dort, wo es am billigsten ist. Und eben auch auf die Art und Weise, die bei niedrigster Investition den größten Ertrag bringt. Doch es gibt tatsächlich einen Silberstreif am Horizont. Denn in den vergangenen Jahren gewinnt die biologische Landwirtschaft wieder mehr an Bedeutung.

Allein 2019 gaben die Deutschen fast 12 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus, eine Steigerung zum Vorjahr von knapp 10 Prozent. Das geht aus dem Branchenreport des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BOLW) hervor, welcher der ökologischen Landwirtschaft eine durchaus positive Zukunft prophezeit. Denn die Zahlen stimmen, nicht nur in Sachen Gesamtumsatz.
So ist unter anderem die Gesamtfläche, auf der ökologischer Landbau in Deutschland betrieben wird, in den vergangenen fünf Jahren um fast 50 Prozent angestiegen und beträgt laut BOLW 1.622.100 Hektar, was rund 10 Prozent der gesamten deutschen Landwirtschaftsfläche ausmacht. Allein 2019 sorgte ein Flächenplus von 6,6 Prozent für zusätzliche 107.000 Hektar Bio-Flächen. Mittlerweile wirtschaften über 12 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ökologisch, 6,3 Prozent mehr Höfe kamen allein im letzten Jahr hinzu. In Deutschland musste seit 2005 im Schnitt jede Stunde ein Hof seine Tore schließen. Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Bio-Betriebe fast verdoppelt. Im Jahr 2019 betrug die Zahl der Bio-Höfe so 33.698.

Bio im Aufschwung.

Dieses Wachstum an bewirtschafteter Fläche und auf ökologische Weise betriebenen Bauernhöfen spiegelt sich natürlich auch in den Umsätzen wider. Mit Abstand die meisten Erlöse brachte laut dem BOLW-Branchenreport Öko-Milch mit 550 Millionen Euro ein. Auf Platz zwei befinden sich die Bio-Eier mit 309 Millionen Euro, die Bronze-Medaille geht an das Bio-Gemüse mit rund 278 Millionen Euro Umsatz. In Deutschland trugen 81.537 Produkte das Bio-Siegel. 2004 waren es noch 24.000.
Und natürlich, zum krönenden Abschluss, ist die biologische Landwirtschaft auch ein echter Klimaretter. Sie sorgt nicht nur für eine gesunde Artenvielfalt, für mehr Tierwohl und für eine nachhaltige und schonende Nutzung unserer heimischen Böden, sondern spart auch jede Menge schädliches Kohlendioxid. 1,5 Millionen Tonnen CO2 sind es jedes Jahr, die der Ökolandbau in Deutschland pro Jahr einspart. Das entspricht den kompletten Emissionen des EU-Landes Malta. Und natürlich sorgt eine biologische Landwirtschaft auch dafür, dass Schadstoffe nicht in die Natur und zu den Menschen gelangen, da ohne chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger gewirtschaftet wird.
Bio ist also nicht nur eine verdammt ge-sunde, sondern auch eine wirklich grüne Sache.

Text: Nick Leuckhardt