<< Zurück zu Elbland24.de

Kampf der Geschlechter

Kampf der Geschlechter Foto: TZ

»Dieser ganze Öko-Quatsch, das ist doch nur was für Frauen« …

… Diesen Satz hören sowohl NACHTFALTER-Redakteurin Nicole als auch ihr Kollege Nick öfter als ihnen lieb ist. Steckt da ein Fünkchen Wahrheit dahinter oder ist die These völlig aus der Luft gegriffen? Nick und Nicole haben das ausdiskutiert.

Liebe Nicole,
Nachhaltigkeit ist eine feine Sache. Auch für Männer. Fahrrad fahren, Müll reduzieren, Strom sparen, all das sind Dinge, die auch ich und all meine männlichen Mitmenschen wunderbar umsetzen können. Meine Erfahrung sieht aber, zumindest größtenteils, deutlich anders aus. Dicke Spritschleudern fahren, schön billiges Fleisch reinhauen und gut und gerne auch mal die Glotze  stundenlang laufen lassen, ohne dass man wirklich aufmerksam Fernsehen schaut. Und wenn man dann mal etwas sagt, wird man blöde angeschaut. Klar, es gibt auch jede Menge Frauen, die sich regelmäßig als echte Umweltsäue outen und vor allem beim Gang durch die Make-up-Abteilung der Drogerien wird man heutzutage ja fast erschlagen von all den Plastik-Verpackungen, aber trotzdem scheint die Nachhaltigkeit im Bewusstsein der Herren der Schöpfung deutlich schwächer verankert zu sein. Ob das stimmt? Keine Ahnung, aber mir kommt es doch so vor. Aber wer weiß, vielleicht ernähren sich Frauen auch nur mehr von Gemüse statt Fleisch, um abzunehmen und nicht der Umwelt zuliebe. Nick

Allerliebster Nick,
ich denke, das Thema ist weniger geschlechtsspezifisch. Obwohl ... es stimmt schon, die dicken Karren, die so überhaupt nichts zum Klimaschutz beitragen, die fahrt zum größten Teil Ihr. Zunächst muss ich Dir recht geben. Es gibt genügend Frauen, die sich vor allem bei Social Media mit gesundem Food und Ökobewusstsein feiern lassen. Heimlich nutzen Sie dann aber doch das Make-up mit tierischen Inhaltsstoffen und vergessen den Plastikaspekt beim Einkauf vollkommen. Ich denke, hier liegt die Ursache (oder besser gesagt der Konflikt mit sich selbst), stark im Geldbeutel und im Zeitmanagement. Denn bewusstes Leben kostet und macht mehr Aufwand. Aber auch hier seid Ihr Männer beim Thema »Gutmensch sein« nicht viel besser. Euer Ego brüstet sich mit einem Weber-Grill, um mal von eurem Faible für gute Autos wegzukommen, und dann legt Ihr dort ein Würstchen für 99 Cent drauf. Damit seid Ihr für mich arme Würstchen. Weil Ihr die Massentierhaltung und damit das Leid der Tiere ebenfalls unterstützt. Der Punkt, der an Euch geht, ist der, dass Ihr Euch dann nicht mit Scheinfotos und Hashtags wie #Ichbinsohealthy oder #Ökoforlive abbildet. Liegt vermutlich daran, dass ihr im Vergleich zu uns Frauen dazu steht, was Ihr tut und denkt. Ihr sagt Euch ja auch Sachen wie »Du bist heute wieder ein großer Spast« ins Gesicht. Frauen öffnen da ihre schreckliche Lästerkiste. Aber ob direkt oder nicht, es geht hier nicht um uns oder um Mann oder Frau, sondern um das Wohl der anderen Lebewesen und unseren Planet Erde. Ich denke, wir sollten morgen nicht sofort zu Greta Thunberg werden, dennoch im gewissen Maße darauf achten, was wir der Umwelt antun. Denn jeder Tropfen trägt zum großen Ganzen des Ozeanes bei. Also lasst Ihr Dudes Euern Ego-Rucksack mal zu und wir Girls verzichten demnächst auf unser Aufmerksamkeits-Prinzessinnensyndrom. Ganz nach dem Motto Nächstenliebe vor Selbstliebe. Nicole