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#PhoneRecycling

Sophie Jentsch und Thomas Etzroth präsentieren die Handys, die zum Recycling abgegeben wurden. Sophie Jentsch und Thomas Etzroth präsentieren die Handys, die zum Recycling abgegeben wurden. Foto: Nick Leuckhardt

Während die Menschen seit Jahrhunderten über Unsterblichkeit diskutieren, gibt es  »zweite Leben« für Natur und Technik schon längst. Warum und wie Handys recycelt, der Wald  zum Tisch oder Haare zur Perücke werden können – drei »True Stories« zeigen's Euch.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Das zeigt sich in kaum einem Lebensbereich so deutlich wie bei unseren Smartphones. Monat für Monat erscheinen Dutzende neuer Handys, die uns mit schnelleren Prozessoren, größeren Akkus und ein bisschen mehr Speicherplatz dazu bringen wollen, unsere alten, eigentlich noch gut funktionierenden Mobiltelefone gegen neuere Exemplare auszutauschen. Die alten Handys landen bei einem solchen Smartphone-Wechsel häufig in der Schublade und geraten dort nach und nach in Vergessenheit.
Ein Schicksal, das kein Mobiltelefon verdient hat und das, egal wie alt es ist, eine echte Verschwendung darstellt. Denn die Geräte können recycelt oder sogar wiederverkauft werden. Das ist dann dank der dadurch gewonnen Rohstoffe nicht nur wirklich nachhaltig, sondern bringt im besten Fall auch noch gutes Geld.
Auch in Torgau wird fleißig recycelt. Ganz vorn mit dabei ist hier das Telekommunikations-Unternehmen Seidewitz, das seinen Sitz im Torgauer PEP hat. Shopleiter Thomas Etzroth hat es sich hier auf die Fahne geschrieben, auch alte Smartphones nicht einfach ungenutzt zu lassen, sondern sie wiederzuverwerten.
Besonders gut kommen vor allem die so  genannten refurbished (deutsch: renovierten) Smartphones an. Dabei handelt es sich um bis zu vier Jahre alte Geräte, die direkt von den Kunden aufgekauft und dann im Repaircenter aufbereitet werden. So haben Leute, die vielleicht nicht gerade das neueste iPhone brauchen, sondern sich auch mit einem etwas älteren Exemplar zufriedengeben, die Chance, ein gebrauchtes Handy für einen verhältnismäßig günstigen Preis zu erwerben. Die aktuell ältesten Modelle, die von der Firma an- und verkauft werden, sind Samsung Galaxy A3 aus dem Jahr 2015 oder iPhone 5s. Gleichzeitig finden die Kunden im Sortiment auch die aktuellen Modelle von Samsung, Apple und Huawei als gebrauchte Ware. Wer also nicht auf die neuesten Smartphones verzichten möchte, kann diese preisgünstig und nachhaltig als B-Ware kaufen.
Auch die Kunden, die ihre alten Smartphones zu »renovieren« abgeben, profitieren davon. Denn selbst wenn das Gerät schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, bekommen sie immer noch gutes Geld dafür bezahlt. Das Besondere dabei: Man bekommt immer den gleichen Preis, egal in welchem Zustand sich das Telefon befindet und welches Zubehör noch vorhanden ist. Lediglich drei Regeln gilt es zu beachten: Das Display darf nicht gesprungen sein, das Handy muss sich noch einschalten lassen und auch über keine Sperre, wie etwa einen Simlock oder dergleichen, verfügen. »Alles andere ist völlig egal«, erklärt Thomas Etzroth.
Damit hat der Torgauer Shop einen klaren Vorteil gegenüber Online-Anbietern wie ReBuy oder wirkaufens.de. Denn dort fließt jeder noch so kleine Aspekt in die Preis-Bewertung mit ein, wodurch man in den meisten Fällen deutlich unter dem Preis landet, den man im PEP angeboten bekommt.
Ist ein Handy so alt, dass es nicht mehr auf der Ankauf-Liste vom Team des Mobilfunkgeschäfts erscheint, kann es trotzdem bei Seidewitz Kommunikation abgegeben werden. Dann wird es jedoch nicht »refurbished«, sondern direkt recycelt. In einer großen Tüte werden die alten Handys, von denen ein Großteil sogar noch mit Tasten ausgestattet ist, von Thomas Etzroth und seinem Team in das Repaircenter geschickt, dort von ihrem Akku getrennt und anschließend geschreddert. Um dann die einzelnen wertvollen Komponenten wie etwa Seltene Erden, Gold oder besondere Kunststoffe zu gewinnen, werden die Überreste mit chemischen und mechanischen Verfahren behandelt und so nach und nach voneinander getrennt. Danach können diese Rohstoffe bei der Herstellung neuer Handys wiederverwendet werden.
Das Angebot stößt auf großen Zuspruch bei den Kunden. Jeden Monat schickt  Thomas Etzroth einen oder mehrere Beutel mit alten Handys zum Recycling, aktuell befinden sich zehn Geräte in den Tüten. »Dadurch, dass in den letzten Jahren das Umweltbewusstsein der Leute so gestiegen ist, wird es immer mehr.« Für den Shopleiter eine Entwicklung, die sich gerne noch weiter fortsetzen kann. Es sei schließlich schade um die Geräte, wenn diese einfach nur zu Hause liegen. »Nur weil ein Handy älter ist, heißt das nicht, dass es nicht mehr zu gebrauchen ist. Aus den gewonnenen Komponenten entstehen neue Geräte und die refurbished Smartphones sind in einem Top-Zustand. Da kann man sich zweimal überlegen, ob es direkt das allerneueste Modell sein soll.«

Text: Nick Leuckhardt