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Riesa gedenkt den Euthanasie-Opfern

Im Stadtmuseum Riesa läuft seit 27. Januar die Sonderausstellung über die Opfer der „Euthanasie“ . Diese Ausstellung ist noch bis zum 15. März für Besucher geöffnet. Im Stadtmuseum Riesa läuft seit 27. Januar die Sonderausstellung über die Opfer der „Euthanasie“ . Diese Ausstellung ist noch bis zum 15. März für Besucher geöffnet. Foto: PR

Riesa. Das Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau und die Erinnerung an die Ermordung von Millionen Juden, Sinti und Roma, Behinderten, politischen Gegnern und anderen Menschen durch die nationalsozialistische Diktatur ist nicht nur Thema der großen Politik und der weltweiten Medien. Riesa bekennt sich seit 2004 mit jährlichen Ausstellungen im Stadtmuseum zur Verantwortung für die Erinnerung an das Geschehene, von dem nur noch wenige hochbetagte Zeitzeugen erzählen können.  „Deshalb stehen wir in der Pflicht, diese Erinnerung wachzuhalten“, sagte Oberbürgermeister Marco Müller in seinen Begrüßungsworten zur diesjährigen Ausstellung, die am Montag eröffnet wurde. Das sei heute wichtiger denn je, so Müller: „Die Bedrohung der Gesellschaft ist inzwischen greifbar, was uns alle dazu verpflichtet, unseren persönlichen Beitrag zum Schutz der humanistischen Ideale zu leisten, aber auch unsere staatlichen Institutionen beim Kampf für die Werte der Demokratie zu stärken.“ In diesem Jahr steht die sogenannte „Euthanasie“ im Mittelpunkt. In der NS-Zeit starben in Europa rund 300.000 psychisch kranke und geistig behinderte Männer, Frauen und Kinder einen gewaltsamen Tod. „Euthanasie“ kommt aus dem Griechischen und steht für „schöner“ Tod – wie auch der Begriff des „Gnadentodes“ eine zynische Legitimationsformel für das staatlich organisierte Mordprogramm. Die Ausstellung nimmt besonders eine Stadtvilla in der Berliner Tiergartenstraße 4 in den Blick, die als Organisationszentrale für den Massenmord fungierte – der auf ausdrückliche Anweisung Adolf Hitlers erfolgte. Stellvertretend für die Ermordeten werden zehn Einzelschicksale dargestellt – Menschen, die wegen „Idiotie“, aber auch Parkinson oder psychischer Kriegstraumata als „lebensunwert“ eingestuft und in speziellen Tötungsanstalten wie Pirna-Sonnenstein oder gleich in den Pflegeheimen umgebracht wurden. Die Mitarbeiterinnen des Riesaer Museums haben außerdem wieder regional recherchiert und ergänzen die Ausstellung mit einer Schautafel zu den Schicksalen von vier Menschen aus Riesa. Die Ausstellung der Deutschen Forschungsgemeinschaft entstand in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Topographie des Terrors. Sie kann bis 15. März im Stadtmuseum Riesa besichtigt werden. Begleitet wird die Exposition durch eine Filmaufführung am 13. Februar, einen Vortrag zur Kindereuthanasie (28. Februar) und ein Schülertheaterstück am 6. März. „Nur wenn wir die Erinnerung an das Geschehen der damaligen Zeit wachhalten, können wir auch jüngeren Generationen die herausragenden Werte des Humanismus vermitteln“, betonte Oberbürgermeister Müller die Wichtigkeit dieser Veranstaltungen.   SWB