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Wie viel „O“ steckt eigentlich in Yoga?

Indien ist das Ursprungsland der Yoga-Bewegung, die inzwischen die ganze Welt erobert hat. Deshalb nutzte Sabine die Reisemöglichkeit ohne zu zögern. Indien ist das Ursprungsland der Yoga-Bewegung, die inzwischen die ganze Welt erobert hat. Deshalb nutzte Sabine die Reisemöglichkeit ohne zu zögern. Foto: privat

Oschatz. Die indische Lehre zu Körper, Geist und Seele hat Sabine Täsch nach Indien geführt – und zurück! Wo liegt eigentlich Rishikesh? Rund 4.500 Kilometer Luftlinie entfernt von Oschatz, genau gesagt im Norden Indiens.

Muss man von dieser heiligen Stadt als nichtspiritueller Mensch etwas wissen? Nicht unbedingt. Aber zumindest Musikliebhaber haben schon einmal von ihr gehört, denn 1968 bekam der Maharishi im Mahesh Yogi Ashram Besuch von den vier berühmtesten Pilzköpfen der Welt: den Beatles. Sie suchten, was auch heute noch viele in den Lehren des Hinduismus und Buddhismus zu finden hoffen. Innere Ruhe und einen Sinn für ihr Leben und das Dasein auf Erden und im Universum generell.
Eine, die dort war, kennen viele Rehasportler in Oschatz: Physiotherapeutin Sabine Täsch krönte mit einem Aufenthalt in Rishikesh ihre zweijährige Ausbildung zur Yoga-Lehrerin. 2018 hatte sie sich dafür bei Vidya Yoga in Dresden eingeschrieben. Die Verbindung aus Meditation, Atemlehre und den sogenannten Asanas, den Körperübungen der Jahrtausende alten Philosophie, faszinierte sie schon lange. Ein ganzheitliches Konzept zur Gesunderhaltung auf allen Ebenen – das lernen viele der Schüler in den Kursen kennen und schätzen und die meisten von ihnen so sehr, dass sie es danach als ihre Aufgabe annehmen, ihre Erfahrungen zu teilen. „Fast jeder, der die Ausbildung macht, lehrt danach wirklich, auch, wenn er eigentlich aus rein persönlichen Gründen damit angefangen hat“, verrät Sabine Täsch. „Sei es in einem Fitnessstudio, einer Heilpraxis oder aber in
einem Raum im eigenen Heim für Freunde und Familie.“


Gutes Stichwort: Ist Sabine zu Hause jetzt Super-Yogi? „Na ja, meine Kinder belächeln mich ein bisschen, sie sind 12 und 14 Jahre alt. Wahrscheinlich verstehen sie das alles besser, wenn sie später ein bisschen mehr vom Leben gesehen und prägende Erfahrungen mit Arbeit und verschiedenen Arten von Stress gemacht haben.“ Vegetarisch essen, so wie Mama, müssen sie nicht. Sabine kocht ganz normal und bereitet sich selbst gegebenenfalls eine fleischfreie Alternative zu. „Ich habe mir anfangs gesagt: Probier‘s aus und schau, ob es sich gut anfühlt. Und je länger ich mit der umgestellten Ernährung lebte, desto selbstverständlicher wurde sie. Ich vermisse es nicht, Wurst zu essen, aber ich merke, dass es mir durch den Verzicht darauf und auch auf Alkohol gesundheitlich und auch mental besser geht.“ Jeden Morgen steht sie 5 Uhr früh auf, sammelt mit speziellen Atemübungen Energie für den Tag, bevor sie als Familienmanagerin und Mitbetreiberin des hiesigen Therapiezentrums in den Alltag startet. Abends meditiert sie und wiederholt dabei (mindestens 108-mal) ihr eigenes Mantra. „Das ist ein persönlicher heiliger Vers, den ich bei einer Mantrenweihe vom Maharishi in Rishikesh bekommen habe. Er stärkt mich, weil seine Aussprache und die vielen Wiederholungen Schwingungen im Körper auslösen, die wiederum belebend, manchmal auch beruhigend, zentrierend wirken können.“ Klänge haben in den östlichen Heilverfahren besondere Bedeutung, für manche Meditationen wird der berühmte Gong genutzt, auch in der westlichen Welt sind Praktiken wie die Klangschalentherapie bereits lange bekannt und werden beispielsweise in der Pflege zur Beruhigung der Psyche und Muskelentspannung eingesetzt.


Es sei die medizinische Wirkung der Asanas gewesen, die sie zu Beginn an Yoga fesselte, und die Möglichkeit, über Meditation tief im eigenen Innern Blockaden lösen zu können, die man Jahre, mitunter Jahrzehnte unbeachtet gelassen und schon vergessen hatte. „Während der Stunden fließen auch schon mal unvermittelt Tränen“, sagt Sabine Täsch. „Für mich war die Entscheidung, mich ausbilden zu lassen und Yoga intensiv kennenzulernen, die beste meines Lebens und ich wünschte, wir wären in Deutschland schon ähnlich weit wie in skandinavischen Ländern, die Meditation sogar in den Lehrplan der Schule integriert und damit Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht haben. Diese Verbindung zwischen Körper und Geist sorgt für mehr Gelassenheit und ein besseres Körpergefühl – egal, wie man aussieht. Man achtet viel mehr auf sich und auch auf seine Umwelt, nimmt Belastungen anders wahr und bewertet Konflikte anders, weil man an Empathie reicher wird.“ Ist es das, was die Menschen hier brauchen? Wissen sie das auch schon? „Auf jeden Fall! Der Zulauf der Kurse ist enorm und die Nachfrage immer noch hoch.


So gesehen steckt also schon viel Yoga in Oschatz und es ist noch Platz für viele O(schatzer) im Yoga!“ Julia Sachse