<< Zurück zu Elbland24.de

Fünf junge Sportlerinnen vom Riesaer Cheerleaderverein diskutieren über Feminismus

Vivien, Lisa, Vanessa, Hermine und Pia (v.l.n.r.) verkörpern mit ihren Teamkolleginnen beim RCV pure Frauenpower – und verteidigen diese Sichtweise auch vor vermeintlich feministischen Angriffen auf die Vertreter ihres Sports. Vivien, Lisa, Vanessa, Hermine und Pia (v.l.n.r.) verkörpern mit ihren Teamkolleginnen beim RCV pure Frauenpower – und verteidigen diese Sichtweise auch vor vermeintlich feministischen Angriffen auf die Vertreter ihres Sports. Foto: Julia Sachse

Riesa. Hermine (15), Lisa (15), Vanessa (16), Pia (15) und Vivien (17) gehören beim Riesaer Cheerleaderverein zu den „alten Hasen“. Vivien ist seit ihrem sechsten Lebensjahr dabei und zusammen mit Pia 2018 bei der Weltmeisterschaft im Cheerleading nicht nur angetreten, sondern Siegerin geworden. Allerdings hat man davon hierzulande wenig mitbekommen. „Wir waren ein gemischtes Team aus verschiedenen deutschen Vereinsbesten in unserer Altersgruppe“, erzählt sie, „aber anders als beispielsweise die Mädchen aus Auerbach hat uns hier in Riesa die Presse weitestgehend vergessen. Während andere sich in ihrer Heimatstadt sogar ins Goldene Buch eintragen durften, bin ich sogar die Einzige, die nach ihrer Heimkehr von ihrer Schule einen Siegerkuchen bekommen hat.“ Dabei müsste Riesa als Sportstadt und Trainingszentrum auch für den Tanzsport die einst aus den USA importierte Mischung aus Akrobatik, Tanz und Turnen doch im gemeinschaftssportlichen „Blut“ liegen. Aufmerksamkeit, so scheint es, bekommen die sogenannten Peewees-, Juniors- und Seniors-Teams des RCV hauptsächlich dann, wenn vor Ort in Riesa Wettkämpfe ausgetragen werden. Oder aber die jungen Damen der Blue Angels, allesamt zwischen 15 und 30 Jahren jung, bei anderen Sportveranstaltungen die Pausengestaltung übernehmen – und damit im Zentrum einer deutschlandweiten Diskussion um knappe Uniformen, sexistische Frauenbilder und mögliche Abschaffung der Cheerleader-Auftritte in Halbzeiten stehen. Was sagen sie selbst dazu?
➥ Vivien: Bei uns gilt: außer den Senior-Teams trägt niemand bauchfrei! Die Uniformen der jüngeren Gruppen sind alle so konzipiert, dass sie am Bauch und an der Hüfte maximal halbtransparente Mesh-Einsätze haben, aber keinen Blick auf nackte Haut zulassen. Das ist wichtig, weil es einfach unangemessen wäre, Mädchen unter 16 Jahren so zur Schau zu stellen.
➥ Vanessa: Ja, in diesem Zusammenhang verstehe ich die Aufregung auch. Wenn die Mädels zu jung sind, um selber wirklich einschätzen zu können, wann man zu viel zeigt und sich dadurch vielleicht auch zum Ziel für potenziell zu neugierige Blicke macht. Aber bei uns allen sind die Röcke an einer Art Body festgenäht, der uns Bewegungsfreiheit lässt, aber auch diskret empfindliche Stellen, gerade bei den Stuntings, also Würfen, zum Beispiel verdeckt.
➥ Pia: Genau! Wir betreiben das hier hauptsächlich als Sport, um uns mit Spaß an der Bewegung fit zu halten. Wir nehmen damit an Wettkämpfen teil und müssen wirklich sehr hart trainieren, um genug Kraft und bestes Timing für die verschiedenen Positionen und Rollen zum Beispiel in einer Pyramide zu haben. Wer denkt, wir wedeln nur lustig mit Pompoms auf und ab, der irrt sich gewaltig. Und die Zuschauer bei unseren Meisterschaften wissen das Gott sei Dank, die kennen die Szene und die Ansprüche an jeden Einzelnen im Team sehr genau. Da ist kein Platz für die Frage „Sexy oder nicht sexy?“ ...
➥ Hermine: Ich bin seit neun Jahren dabei und finde, was unseren Sport am meisten ausmacht, ist das Vertrauen in alle anderen im Team. Immerhin sind wir jeweils 20 Mädels und Jungs, die in vier „groups“ die einzelnen Elemente zeigen. Bis man dafür fit und selbstbewusst – und auch vertrauenswürdig – genug ist, trainiert man bei uns in einer Art Aufbauteam. Nach durchschnittlich einem Jahr wird man entsprechend seines Trainingsstands dann einem Team zugeordnet. Unsere Uniformen muss man sich wie Fußballtrikots vorstellen. Über die wird auch nicht diskutiert, oder?
➥ Lisa: Zwei- bis dreimal im Jahr fahren wir zu Wettkämpfen. Dort treten auch Vereine an, die wesentlich lockerer mit der Stylingfrage umgehen, da sind wir fast schon konservativ. Aber das ist gut so. Worüber die angeblich „zu knappen“ Röckchen viele Außenstehende hinwegtäuschen ist: Das harte Training kostet uns einige blaue Flecken, viele hatten schon mal gebrochene Nasen oder verstauchte Knöchel. Mit Rumhampeln und Schönsein hat das nichts zu tun. Dass wir daran Spaß haben, sollte Argument genug sein, warum wir die Frage „Warum tut ihr euch das an?“ mit einem Lächeln beantworten. Julia Sachse