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Georg Spalatin gewidmet

Eröffnung des Museums im Priesterhaus mit Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva Maria Stange (Bildmitte). Eröffnung des Museums im Priesterhaus mit Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva Maria Stange (Bildmitte). Foto: privat

Torgau. Als jüngste Publikation hat der Torgauer Geschichtsverein ein in mehrfacher Hinsicht wichtiges Buch „Das Priesterhaus Georg Spalatins in Torgau“ vorgelegt, das jetzt im Sax-Verlag erschienen ist. Es ist der Geschichte und der Restaurierung des kleinen Priesterhauses mit großer Bedeutung in der Katharinenstraße, der früheren Sackgasse, gewidmet. Als eines der wenigen gotischen Häuser Torgaus verfügt es über gleich mehrere Alleinstellungsmerkmale. Es ist das einzige erhaltene Gebäude Torgaus, das Kurfürst Friedrich III., der Weise, in den Jahren 1493/94 hat erbauen lassen. Es ist aber auch das letzte von 16 Wohnhäusern, die Priestern der Altarlehen in den Kirchen der Stadt zur Verfügung standen und es ist das besterhaltene seiner Art in ganz Sachsen. Jährlich wurden in Torgau in vorreformatorischer Zeit mehr als 8.000 Messen an den Altären zum Seelenheil ihrer Stifter gelesen und gesungen. Das Haus in der Sackgasse war das Wohnhaus des Priesters zum Altar des Neuen Heiligen Kreuzes. Friedrich der Weise stiftete den Altar für die Kirche Unserer lieben Frauen, der heutigen Stadtkirche St. Marien, bevor er seine Pilgerreise ins Heilige Land, nach Jerusalem, antrat. Der erste damit belehnte Priester war Herr Wolfgang, er hatte wöchentlich zwei gesungene und drei gelesene Messen zu halten. Der letzte war Georg Spalatin, der 1523 damit belehnt wurde und es bis 1525 bewohnte. Damit wurde das Haus Begegnungsstätte der Reformatoren. 1525 schenkte ihm Kurfürst Johann das Haus, das heute das einzige erhaltene Wohnhaus Spalatins ist. Spalatin war Wegbereiter der lutherischen Reformation und lebenslanger Berater dreier Kurfürsten. Nachdem er 1525 die Pfarrstelle in Altenburg angenommen hatte, befand sich in seinem Torgauer Haus die jetzt neu gegründete Mädchenschule, die durch ihren Schulmeister Johann Jahn, einen ehemaligen Priester, vorbildhaft wurde. 1533 verkaufte Spalatin sein Haus. Bis heute hat es dreißig Besitzer gehabt – Handwerker, darunter den Goldschmied Hans Wiesener, Schlosser, Maurer und Arbeiter – bis es der Förderverein für Denkmalpflege in der Stadt Torgau 2011 erworben hat. Zeitweilig, während der Wohnungsnot am Anfang des letzten Jahrhunderts, mussten sich vier Familien im Haus behelfen. Das alte Haus hat in seinen über 500 Jahren die ursprüngliche Substanz weitestgehend bewahren können. Nach Entfernung späterer Einbauten führt es nun als Hauptexponat eines kleinen Museums, das Georg Spalatin und dem Torgauer Ur-Kantor der Reformation, Johann Walter, gewidmet ist, in eine längst vergangene Zeit. Das vorliegende Buch ist ein Aufsatzband, in dem Historiker, Denkmalpfleger, Bauarchäologe, Bauplaner, Bauleiter und Restaurator zu Wort kommen. Aber auch die Förderer, die Bundesrepublik, der Freistaat Sachsen, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Stadt Torgau werden gewürdigt. Nicht zu vergessen die zahlreichen privaten Spender, die zum Gelingen beigetragen haben. Ein besonderer Dank aber gilt den Vereinsmitgliedern des Fördervereins, ohne deren Enthusiasmus alles nicht möglich gewesen wäre. Der Torgauer Geschichtsverein, der die Vorbereitung und Finanzierung der Publikation übernommen hat, würdigt damit die beispielhafte Leistungsbereitschaft, die ein Vorbild in unserer Stadt sein sollte. Dr. Jürgen Herzog