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Feuerwehrmuseum Zeithain beherbergt Sammlung zur Feuerwehrgeschichte

Siegfried Bossack vor einem Tragkraftspritzen-Löschfahrzeug aus dem Jahr 1953. Gefertigt wurde es in Görlitz, zum Einsatz kam es in Strehla, danach in Pulsen und Nauwalde. Siegfried Bossack vor einem Tragkraftspritzen-Löschfahrzeug aus dem Jahr 1953. Gefertigt wurde es in Görlitz, zum Einsatz kam es in Strehla, danach in Pulsen und Nauwalde. Foto: Heiko Betat

Zeithain. Was geschah am 17. Juli vor 180 Jahren? Als Vorsitzender der AG Feuerwehrhistorik Riesa e. V. weiß Siegfried Bossack natürlich die Antwort. An diesem Sommertag im Jahre 1841 wurde in Meißen das Lösch- und Rettungscorps, quasi der „Urahn“ aller späteren Feuerwehren, aus der Taufe gehoben. Während das Jubiläum ohne größere Festivitäten verstrich, könnte es allerdings ein guter Anlass sein, sich alsbald mit der Familie, mit Freunden, mit den Enkelkindern ins Sächsische Feuerwehrmuseum nach Zeithain zu begeben. Ein Ausflug, der sich wirklich lohnt.
Was möchtest du einmal werden, wenn du groß bist? – „Feuerwehrmann!“ Seitdem es Feuerwehren gibt, rangiert dieser Berufswunsch zumeist bei den Jungs im Kindergartenalter an vorderster Stelle. Das war bei Siegfried Bossack nicht anders. Mit der Besonderheit: Sein Interesse an der Brandbekämpfung und allem, was damit im Zusammenhang steht, währt bis zum heutigen Tag. „Das hatte sich so ergeben, und ich bin ein Leben lang dabeigeblieben“, blickt Siegfried Bossack zurück. Bis vor zehn Jahren war er sowohl berufsmäßig als auch ehrenamtlich aktiv im Feuerwehrdienst, aber schon weit vorher hatte er mit Gleichgesinnten begonnen, die Historie und die Entwicklung der Feuerwehrtechnik zu dokumentieren und Sachzeugen für die Nachwelt zu erhalten. „Aus Eigeninitiative“", betont er.
Bereits 1976 gab es bei der Riesaer Feuerwehr erste Bestrebungen. In der Folgezeit kam immer mehr Technik zusammen, auch personell verstärkten sich die Reihen. Und es reifte der Gedanke: Wir machen ein Museum daraus. Im Herbst vor 45 Jahren wurde sozusagen der Grundstein gelegt, 1994 war Eröffnung. Zunächst wurde ein Objekt in Zeithain genutzt, in dem man aber schon bald räumlich an Grenzen stieß. Vor gut drei Jahren fand die umfangreiche Sammlung etwas außerhalb in der Abendrothstraße 12a ihr neues vereinseigenes Domizil – in einem Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes, der von 1873 bis 1992, zuletzt von den russischen Streitkräften, militärisch genutzt wurde.
Die Ausschilderung des Weges dorthin könnte besser sein. Die AG Feuerwehrhistorik Riesa e. V. als Trägerverein unternimmt diesbezüglich Anstrengungen, doch das dauere von Amts wegen, wie Siegfried Bossack unzufrieden schildert. Dabei ist der 84 Mitglieder zählende Verein sehr daran interessiert, dass nach den pandemiebedingten Einschränkungen der vergangenen Monate die Besucherzahlen wieder steigen, auch Busreisegruppen das Sächsische Feuerwehrmuseum erneut ansteuern. Denn Eintrittsgelder sind die Haupteinnahmequelle des Vereins.
Das Museum liegt zwar verborgen im Grünen, doch braucht es sich wahrlich nicht zu verstecken. Hinsichtlich der Qualität der Exponate und der Präsentation ist nichts Vergleichbares im weiten Umkreis zu finden. Das Sächsische Feuerwehrmuseum Zeithain zähle, so der Vereinschef, zur Top Five der 60 Feuerwehrmuseen in Deutschland.
In Zeithain steht – einschließlich der DDR-Zeit – die Feuerwehrgeschichte Sachsens im Mittelpunkt. Und die besitzt einen besonderen Stellenwert in Deutschland. Siegfried Bossack: „Was Sachsen für das Feuerwehrwesen getan hat, ist enorm. Vieles hat einen sächsischen Anstrich.“ Nachzuvollziehen ist das auf circa 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche in drei großen Hallen, in denen sich in konsequenter zeitlicher Abfolge Sachzeuge an Sachzeuge reiht, beginnend beim „feuerwehrmäßigen Urknall“ 1841 in Meißen bis zu Fahrzeugen und Technik aus den 1990er-Jahren. Was je an Ausrüstungsgegenständen und Fahrzeugen in der DDR hergestellt wurde – hier kann es bestaunt werden. Elf Fahrzeuge im Bestand sind die jeweils einzigen noch existierenden Originalexemplare. Ebenso können Technikbegeisterte Vergleiche zwischen Fahrzeugen der ersten und letzten Bauserie anstellen. Zu den Exponaten, die nur hier zu sehen sind, zählen auch Medaillen und Auszeichnungen oder ein Feuerlöschzug der Deutschen Reichsbahn. Ein Agrarflugzeug, das im Bedarfsfall zum Löschflugzeug umgerüstet werden konnte, ist ebenfalls ein Ausstellungsunikat, das in einer vierten, fast fertiggestellten Halle präsentiert wird. Hier soll zudem ein Licht- und Tonkonzept verwirklicht werden, das zum Ende der – je nach Interessenslage der Besucher – bis zu zweieinhalbstündigen Tour noch einen ganz besonderes Schlusspunkt setzt.
„Wir haben schöne Sachen, und die wollen wir zeigen“, betont Siegfried Bossack. Darunter befinden sich auch „Neuzugänge“, die derzeit noch arbeitsintensiv und fachgerecht durch die Vereinsmitglieder aufbereitet werden. Die offizielle Erstpräsentation soll beim 18. Museumsfest stattfinden, zu dem am 18. September aufs weitläufige Museumsgelände eingeladen sind. Dann bietet sich für Technikbegeisterte wieder reichlich Gelegenheit zum Fachsimpeln. Und ganz sicher wird sich so mancher Knirps in seinem Berufswunsch bestärkt fühlen und Oma und Opa stolz verkünden: „Ich werde Feuerwehrmann!“
Der Besuch des Sächsischen Feuerwehrmuseums ist nach Voranmeldung und im Rahmen einer Führung mittwochs bis sonntags von 10 bis 15 Uhr oder nach Vereinbarung möglich.
Kontakt: Ruf 03525 7786287, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.feuerwehrmuseum-zeithain.de. Heiko Betat