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Sonderausstellung im Eisenbahn-Postkarten-Museum Oschatz

Weihnachtspostkarten vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Weihnachtspostkarten vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Repro: Sammlung Günther Hunger, Oschatz

Oschatz. Weihnachten ist die Zeit, in der man seine Mitmenschen mit guten Wünschen per Post bedenkt. Die Weihnachtspostkarte ist dafür ein besonders beliebtes Mittel. Vor allem in den Anfangszeiten des Postkartenschreibens gab es eine wahre Fülle an sehr hübschen Karten. Der Oschatzer Philokartist Günther Hunger hat eine Sammlung von Weihnachtskarten aus der Zeit von 1898 einschließlich Erstem und Zweitem Weltkrieg bis zur Gegenwart zusammengetragen, wovon nun in einer Sonderausstellung ein Ausschnitt gezeigt, und zwar vom 28. November, dem ersten Adventssonntag, bis zum Jahresende im Oschatzer Südbahnhof im Eisenbahn-Postkarten-Museum.

Die Geschichte der Weihnachtspostkarten beginnt in England. Sie geht auf das Jahr 1843 zurück und liegt also noch vor den amerikanischen Postkarten-Patentierungsideen. Der Brite John Calcott Horsley gestaltete damals im Auftrag von Sir Henry Cole die erste bekannte kommerzielle Weihnachtskarte.
In Deutschland wurden zwar große Mengen von Weihnachtskarten für den Export produziert, aber bis zum Ersten Weltkrieg sendeten die Deutschen zu Weihnachten überwiegend sogenannte Wunschblätter. Das waren Briefbögen mit gedruckten Randornamenten und oft einem Bild, in die handschriftliche Grüße oder Gedichte eingesetzt wurden. In Deutschland war das Briefeschreiben zu Weihnachten üblich. Hierzulande begann sich die Weihnachtskarte um 1900 durchzusetzen.


Heutzutage wird eine Weihnachtskarte für hochwertiger als ein Weihnachtsbrief gehalten, da sie vielfach veredelt werden kann. Von Folienprägungen über Blindprägungen, Lackierungen, Stanzungen, Klebungen bis hin zur Beflockung oder mit Melodien versehen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Der Brief hat – wie schon damals – allerdings den Vorteil, dass man die Glück- und Segenswünsche wesentlicher ausführlicher mit bedeutend mehr Zeilen gestalten kann und das Briefgeheimnis gewahrt bleibt.
Als vor über 150 Jahren die Korrespondenz- oder Postkarte populär wurde, hatten damit viele Menschen die Möglichkeit, Angehörigen, Verwandten und Bekannten sehr preiswert eine Kurzmitteilung zu senden. Weihnachtskarten grüßten aus der Heimat, von der Reise oder vom Kriegsort. Die Feldpost wurde zu einer besonderen Korrespondenz im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die "heile Welt" bekam 1914 einen Riss. Das zeigt sich auch in den Postkarten. Während des Ersten Weltkrieges tauchen zum Beispiel zunehmend verklärende, patriotische oder an das Mitgefühl appellierende Weihnachtsgrüße auf.
Das geschriebene Wort von damals sollte heute Mahnung sein und an viele Schicksale in den Familien erinnern. Das gilt auch für die Zeit des Zweiten Weltkrieges.


Die damaligen bunten Weihnachtsgrüße mit ihren aus heutiger Sicht nostalgischen Motiven verzauberten die Empfänger und erzeugten ein Glücksgefühl. Vor allem Kinder, Tiere, Winterlandschaften und Natur prägten neben Weihnachtsmann, Weihnachtsbaum, Engeln, Glocken, Paketen und Kerzen die Kartengrüße.
Auch heute noch sind Glückwunschlosungen auf Weihnachts- und Neujahrskarten beliebt, doch hat sich der Kreis der Motive und Sprüche im Laufe der Jahrhunderte erheblich erweitert und verändert. Gerade in den letzten Jahrzehnten fanden immer neue, teils sehr unkonventionelle Ideen Einzug in die Gestaltung der traditionellen Jahresendpost.
Heute findet man Weihnachtskarten in allen Formen und Farben, abgestimmt auf ganz unterschiedliche Zielgruppen. Doch eines haben die Karten, seien sie mit niedlichem Weihnachtsmann, frechem Engel oder kirchlichem Motiv versehen, alle gemeinsam: Sie erinnern daran, dass Weihnachten die Zeit im Jahr ist, in der man innehalten und überlegen sollte, welche Menschen einem so wichtig sind, dass sie es verdienen, mit einem freundlichen Gruß bedacht zu werden. Freuen wir uns also auf die Weihnachtspost und greifen selbst zur Feder und senden die Weihnachtsgrüße per Postkarte in die Welt.
In der Sonderausstellung des Eisenbahn-Postkarten-Museums hat der Oschatzer Sammler Günther Hunger aus seiner Philokartisten-Kiste aus den verschiedenen Zeitepochen, von unterschiedlichen Verlagen und aus einer Fülle an Motiven einen besonderen Kartengruß als Spiegelbild der Geschichte der Weihnachtspostkarten zusammengestellt.
Geöffnet ist die Ausstellung im Südbahnhof immer sonntags von 10 bis 12 und 13 und 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.
Und es gibt auch eine Karte für Kinder zum Ausmalen mit Weihnachtsgrüßen aus Oschatz.  PM